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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 103 (sequence 107)
Language
German
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Büch erbesprecliungen 108 Erörterung über das bekannte Vorurteil des Gegensatzes zwischen dem jüdischen Gott der Rache und dem christlichen Gott der Liebe. Sie eignet sich vorzüglich zu Propagandazwecken, hätte aber trotz der gewollten Kürze die bekannten Aufsätze von Hermann Cohen zur Sache, die geistvollen Aus״ einandersetzungen Achad Haam’s (״Worte des Friedens,“ Deutsche liebersetzung ״Am Scheidewege״ S. 111 ff.) und Isaak Heinemann (״der Gott der Rache“ Jeschurun V S 881—897), sowie die Abhandlung des Herausgebers ״der Gott der Gerechtigkeit“ (Jesch. II S. 341—363) berücksichtigen können. Hervorzuheben ist Norden’s Erkläruog des ״ich aber sage auch“ in der Bergpredigt, dass es sich in dem Gegensatz zu dem ״ihr habt gehört“ nicht um einen wirklichen Gegensatz, sondern um eine Verinnerlichung der Bibelworte handelt, für die stets eine Paralelle in dem talmudischen Schrifttum zu finden ist. N. ist freilich gezwungen, die Worte ״und deinen Feind hassen“ als Interpolation anzusehen. Im Uebrigen, — das trifft natürlich nicht Norden’s populäres Schriftchen, hat man sich heute bei der Behandlung ״der Bergpredigt“ mit dem umfassenden und erschöpfenden Strack*Billerbeck Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch Band I S. 240—386 auseinanderzusetzen. Dieser Kommentar bringt ausserordentlich viel Belege dafür, dass Jesu s Worte ihre Quelle in talmudischen Schriften haben. Desto mehr bedurften die Anführungen, die ihn in Gegensatz zu diesem stellen, einer eingehenden Bearbeitung. Wobei auch bewiesen werden müsste, dass dieser Gegensatz, wenn er überhaupt vorhanden ist, wirklich einen ethisch höheren Standpunkt darstellt. Mit der Annahme, dass die Feindesliebe wie sie im N. T. gelehrt wird eine höhere Entwickelung gegenüber dem in unserer Bibel geforderten Verhalten zum Feinde darstellt, steht wohl Norden unter den jüdischen Kennern des rabbinischen Schrifttums allein da. K. Müller, wie aus der Broschüre hervorgeht, ein Nichtjade, zergliedert ein zweibändiges Werk eines Völkischen, ״der deutsche Mensch, völkische Weltanschauung und deutsche Volksgemeinschaft“. 1. Buch: Völkische Weltanschauung, 2. Buch: Deutsche Volksgemeinschaft, und zeigt, wie dies Werk, das den Völkischen eine wissenschaftliche Grundlage ihrer Weltanschauung geben will und dessen Autor darum alle Wissensgebiete zum mindesten receptiv in sich aufgenommen haben müsste, aus zweiten und dritten Quellen schöpft und völlig widerspruchsvoll miteinander verbindet. Die Notwendigkeit, diese Dinge nicht unwidersprochen zu lassen, ist vorhanden, aber Vf. ist zu bedauern, dass er diesen Gallimathias einer ernsten Behandlung unterziehen muss. Etwas dankbarer ist die Aufgabe, die sich Julius Schaffer hat stellen müssen. Immerhin ist Hans Günthers Werk ״Rassenkunde des deutschen Volkes“, mit dem er sich auseinandersetzt, ein Buch von Qualitäten. Im ersten Teil wird die Theorie von dem Gegensatz zwischen dem ״alpinen“ und dem ״nordischen“ Menschen unter die Lupe genommen und gezeigt, dass diese funkelnagelneue Theorie den gleichen Wert hat, wie die von Gobineau und Chamberlain aufgestellten, die längst zusammengebrochen Auch hier rein subjektive Aufstellungen, die mit einer Fülle scheinbar feststehender Tat- Sachen, citiert ans den verschiedensten anthropologischen, archäologischen, historischen, sprachwissenschaftlichen Werken ״belegt“ werden, aber ohne jedwede solide statistische Grundlage. — Vf. bringt als Gegeninstanzen gegen die von Günther beigebrachten Persönlichkeiten, die als ״nordische“ Menschen den edlen reinen und genialen Typ verkörpern, eine Fülle anderer Beispiele wo es sich um ״alpine“ Menschen handelt und zeigt, dass auch die Beweise, die Günther bringen will, vielfach völlig unzuverlässig sind, weil sie sich auf Pliotographieen stützen oder auf anderem unzureichenden Material. Im zweiten Teil der Brochüre wird auf die Konsequenzen hinge wiesen, die diese Scheidung in ״nordische“ und ״alpine“ Menschen für den Frieden innerhalb der Be-

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