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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 104 (sequence 108)
Language
German
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104 Bücherbe sprechungen völkerung Deutschlands selbst (ganz unabhängig von der antisemitischen speziellen Anwendung auf die Juden) zeitigen kann. Als katholischer Theologe tritt Engelbert Krebs den Be- Strebungen entgegen, das Christentum als Werk eines Nichtjuden, eines Ariers in einen naturhaft en Widersprach zum Judentum zu setzen (die Loslösung der Kirche von der jüdischen Religion und dem Alten Testament erstrebt auch Harnack, wenn auch nicht mit diesen Argumenten). Das umfassende Werk von Strack und Billerbeck, die für last jede Zeile der Evangelien eine grosse Zahl von Paralellen finden, ist der klassische Gegenbeweis, dass eine solche Loslösung völlig unmöglich ist, ohne dass das Neue Testament und damit alles Spezifische des Christentums preisgegeben würde. Yfs. Verdienst ist, in populärer und gedrängtester Kürze das ebenfalls gezeigt zu haben. Sympathisch berührt, dass er gegenüber dem Antisemitismus der Gasse mutig den völlig jüdischen Ursprung des Christentums betont im Gegensatz zu den protestantischen Theologen Reinhold Seeberg und Johannes Hänel, die Konzessionen an die Berechtigung des Antisemitismus gegen die heutigen Juden machen, (vgl. unsere Besprechung ihrer Schriften Jesch. XII S. 171 f u. S 258 ff.). Pani Nathan, einer der Berufensten auf diesem Gebiet, behandelt das Problem der Ostjuden im früheren Ansiedlungsrayon als einen Wirtschaftliehen Krankheitsherd, der trotz der politischen Umwälzung noch in seiner alten Gefährlichkeit verblieben. Nachdem er in einem kurzen geschichtlichen Ueberblick gezeigt, wie von der Zeit der Kreuzzüge ab durch die Verfolgungen im Westen der Strom der Einwanderung auf der Flucht nach den slavischen Ländern nicht abriss, wie durch Einwanderung aus dem Osten die Schar sich mehrte und wie die Judenpolitik des Zarismus sie auf das engste Gebiet zusammendrängte, ohne dass es ihr durch Massenabschlachtungen und durch die Verfolgungen, die viele Hunderttausende zur Auswanderung über See zwangen, gelang mehr zu erreichen, als dass das natürliche Wachstum durch Geburtenzuwachs zum Stillstand kam, bespricht N. dann die Verhältnisse der Juden in Litauen, Polen und Sowjetrussland hinsichtlich ihrer politischen Stellung und sucht vor allem die katastrophale, ökonomische Lage als das eigentliche und wichtigste Problem klarzulegen. Eine Erleichterung durch Auswanderung scheidet jetzt aus, nachdem die Einwanderungsländer ihre Tore geschlossen. Die einzige Hilfe ist die Ueberführung nach den dünn bevölkerten Gegenden Russlands zur ländlichen Kolonisation. Da die jüdische Bevölkerusg selbst die Mittel nicht hat, so kann die Hilfe nur von aussen kommen. Paul Nathan ruft, — da die pekuniären Mittel fast ausschliesslich aus den Vereinigten Staaten kommen müssen, — die deutschen Juden zu den notwendigen Vorarbeiten auf. Heinrich Rosin, der berühmte jüdische Arzt, hat in seinem Vortrag, der naturgemäss der eingehenden Behandlung seines Themas Schranken setzte, trotz der kurzen Skizzierung ein Bild entworfen von der ausserordentlichen Bedeutung, die die jüdischen Aerzte vom Mittelalter bis in die neueste Zeit durch die theoretischen Forschungen und praktische Betätigung für die Kultur ihrer Adoptivvaterländer und für die leidende Menschheit in der Gesamtheit hatten. Das jüdische Herz, aus dem heraus er selbst so vielen auch ein Helfer in seelischen Leiden geworden, spricht aus den ergreifenden Worten, mit denen er das Schicksal unseres Volkes durch die Jahrtausende begleitet. Zu den ״medizinischen Vorschriften der Thoraa auf S. 3f ist nur anzumerken, dass diese nur hygienischen und prophylaktischen Wert haben. J. W. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlyemuth, Berlin Drude von Itzkowski & Co., Berlin N 24, Aug-ust«tr. 69

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