Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bticherbesprechungen 101 Sprache ist es, die in diesen Worten ihren Ausdruck finden, die in Buber und Bosenzweig leben, die sie mit Gottes Hilfe befähigen werden, das grosse Werk za rollenden, das sie begonnen haben. J. Bleichrode. Hans Driesch Metaphysik der Natur: Handbach der Philosophie 2. Lieferang*) Verlag R. Öldenbourg Mönchen und Berlin 1926. Za diesem Gang durch die gesamte Geschichte der Philosophie, soweit sie die Naturmetaphysik behandelt, und das ist ein ganz beträchtlicher Teil, können in einer Besprechung nar einige Bemerkungen gegeben werden. Bei Platon wird gut zwischen der jüngeren und der mittleren Periode einerseits, in der die Ideenlehre völlig unvermittelt neben der Welt des Wirklichen steht und der des älteren Platon unterschieden, wo im Timäus der erste bewusste Versuch gemacht wird, den Dualismus der empirischen Wirklichkeit in’s rechte Licht za stellen. Aristoteles ist in gewissem Sinne Panvitalist, insofern er den Begriff des Mechanischen überhaupt nicht kennt. Auf dem Felde der Biologie hat er mit intuitivem Blicke das Urgeheimnis erkannt, sodass seine Lehre noch heute lebt. Stoa und Necplatonismns bedeuten einen Rückschritt, das Mittelalter hat, so ertragreich seine logische Arbeit ist, in seiner völlig anthropozentrisehen Metaphysik keinen Fortschritt gebracht. Der Uebergang zur Neuzeit hat vor allem in Galilei durch das dynamische Experiment und das dynamische Naturgesetz eine eigentlich klare Metaphysik der Natur erst möglich gemacht; Descartes, die Okkasionalisten, Spinoza und die britischen Philosophen haben, wenn auch in völlig verschiedener Weise erkenntnistheoretisch, theologisch oder in Betonung der Skepsis den Naturbegriff erst herausgearbeitet. Bei Leibnifcz wird die Schwierigkeit und Unklarheit hervorgehoben, die in dem Verhältnis der Monaden zur ״erscheinenden״ Welt nach seinem System gegeben ist. Kant dürfte seinen strengen Grundsätzen gemäss überhaupt der Metaphysik der Natur keinen Platz in seinem System einräumen, Fichte ist die Natur gleichgültig, Schelling der grosse Vertreret dessen, was man schlechtweg Naturpbilosphie nennt, will Grosses: die Bedeutung aller empirischen Naturbesonderheiten erfassen. Driesch zeigt an fünf Pankten, woran Schelling in der Durchführung seiner grossangelegten Konzeption gescheitert ist. Ebensowenig kann die heutige Wissenschaft etwas mit der Naturphilosophie Hegels anfangen. Beiden fehlt das dynamische Prinzip. Die organische Seite der Natnr ist bei ihnen viel zu wenig darchgearfoeitet. Dieser Vorzug ist Schopenhauer eigen, in allerhöchstem Maasse aber Ed. v. Hartmann, dem freilich die positiven Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften zur Verfügung standen. Driesch hält Hartmann für einen der bedeutendsten Naturphilosophien. Das Gewicht, das Hartmann, auf die für ihn nach der Substanz vornehmste Kategorie, die Finalität legt, ist Driesch naturgemäss auf Grund seines eigenen Systems sympathisch. Fechner wertet D. n. E. zu gering, Lotze vielleicht zu hoch. Die Philosophen der Gegenwart, soweit sie überhaupt für eine Naturmetaphysik in Frage kommen, werden gruppiert in die mechanischen Sinnesleugner und die mechanistischen Teleologen und in ganzer kurzer, vielleicht zu kurzer Skizzierung entwickelt D. dann seine *) Von dem Handbach der Philosophie sind bisher erschienen: Ethik des Altertums, des Mittelalters nud der Neuzeit in 4 Lieferungen, Philosophie der Mathematik und Naturwissenschaften in 2 Lieferungen, Logik and Systematik der Geisteswissenschaften in 2 Lieferungen, Religionsphilosophie evangelischer und katholischer Theologie, je eine Lieferung. Wir behalten ans eine Besprechung der durchgängig wertvollen Beiträge noch für folgende Hefte vor.