Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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94 B₪BB₪₪HBB₪₪m Der Dibbuk tage in himmlische Sphären erheben. Hat er sich so zur Ausführung seiner schweren Aufgabe geröstet, so lädt er den vom Dibbuk besessenen Menschen samt dem Dibbuk vor Gericht und bekleidet sich mit dem ״Tales“, oft auch dem ״Kittel“, die er von Ahnen und Urahnen, die grössere Wunder als er selbst vollbracht hatten, überkommen hat. Neben sich legt er Schofar und Kabbalahbuch — ebenfalls aus alter Zeit stammend. Mit altüberlieferten geheimen Sprüchen beschwört er den Dibbuk, der bereits in die Macht des Rabbi geraten ist, und erteilt seine Befehle. Nun legt der Dibbuk reuevoll ein vollständiges Geständnis aller seiner Sünden ab, doch zögert er, den Kranken zu verlassen und fleht um Erbarmen. Der Rabbi aber bleibt unerbittlich und weigert sich, die Befehle zurückzuziehen, und der Dibbuk muss gehorchen. Dieser schwere Kampf zieht aber den Kranken in Mitleidenscbaft, und leicht kann sein Körper so ermatten, dass er stirbt. Deshalb muss der Rabbi den Prozess möglichst vorsichtig führen, um die Lage des ohne jedes Verschulden Kranken, dem deshalb sein besonderes Mitleid gewidmet ist, möglichst zu schonen. Mit dieser wahrheitsgetreuen Schilderung vergleiche man nun F r 0 m e r s Erzählung. Zahlreich sind in ihm solche Momente, die niemand zu erklären vermag. Da ist z. B. die Benutzung eines Lulaw. Der Dichter erklärt zwar seinen Zweck. Er dient — zum Schlagen. Aber was sollen beim Dibbuk die Schläge? ... Um ihm weh zu tun und ihn hierdurch einzuschüchtern?! Dann wäre doch, so deucht es mich, ein brutaler Gewaltsmensch mit herkulischen Kräften mehr am Platze, als ein Rabbi, durch langes Kasteien ermattet! Und das Mittel ausgerechnet ein Lulaw! Muss es schon ein ritueller Gegenstand sein, so ginge meine bescheidene Ansicht dahin, dass eine aus Tefilinleder hergestellte Peitsche besser wäre. Als ״Wunder“ haben wir wohl schon anzusehen, dass sich der ״Rabbi“ im Hochsommer, im August, also zehn Monate nach der Lulawsaison einen Lulaw zur Prügelexekution beschaffen konnte! . . . . Auch das Beschimpfen der Kranken mit ״Chazufe“ ist ebenso sinnwie grundlos.