Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Der Dibbuk muss sie zu diesem Zwecke erst gereinigt werden, and wird hierzu auch in den ״Scheol“ gestossen (in dem sie höchstens ein Jahr verweilen darf). So hat sie einen Umweg zu machen, dessen Ausdehnung von der Grösse der begangenen Sünden abhängt. Unter diesen Sünden finden sich jedoch auch solche von einer derartigen Schwere, dass selbst der .,Scheol“ die Aufnahme der unschuldigen Seele verweigert, sodass sie ruhelos herumirren muss. Ist ihr so der Weg überallhin versperrt., so muss sie (als ״Dibbuk“) zur Erde zurückkehren. Da sie hier jedoch ohne Körper natürlich nicht existieren kann, so muss sie in den Körper eines Menschen einzudringen versuchen. Während dieses ihres erneuten Erdendaseins ist ihr die Möglichkeit gegeben, das begangene Böse wieder gut za machen und sich so den Weg zu ihren Schwesterseelen, denen der ״Zaddikim“, frei zu machen. Die schwer belastete Sünderseele wird notwendigerweise dem sie bergenden Menschen zur Last, was bei ihm geistige Krankheiten hervorruft. Sie äussern sich in Betrübnis und Schwermut; Frohsinn ist aus ihnen völlig verbannt. Eine führende Bolle ist in allen chadissischen Legenden dem Wunderrabbi eingeräumt, übernatürliche Macht wird ihm zuerkannt. Daher besitzt er die Macht, jede Gsero (böse Bestimmung) aufzuheben, mit dem Mal’ach ha Mowess (Todesengel) in Streit zu treten und ihn zu besiegen. Alle bösen Geister haben sich ihm zu beugen, unter ihnen auch der Dibbuk. Sein Wort demütigt alle, aber nur sein Wort. Wenn daher die Legenden ihn Welten aufbauen und zerstören lassen, so bedient er sich stets und ausschliesslich nur seines Machtspruches; keine Körperbewegung auch nicht die kleinste, kein Schlag, ja keine Berührung begegnen uns jemals in der gesamten, meeresweiten chassidischen Literatur. Der Wunderrabbi weiss um alle Geheimnisse. Sein Auge schaut den Kosmos, die Zukunft und die Welt der Geister. Da ihm nichts entgeht, so ist er stets zur Stelle, wenn es gilt Elenden und Unglücklichen zu helfen, oder einen reuigen Sünder aufrichtig zum Guten zu bekehren. Eine besonders schwere Aufgabe bereitet ihm der ״Dibbuk*. Zwar muss dem unglücklichen Kranken geholfen