Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Dibbuk 91 die aUzustarke Betonucg des Gefühlsmässigen und des Mystischen scharf bekämpfen. Wenn ich mich trotzdem für einen kompetenten Beurteiler halte, so deshalb, weil ich mir zahlreiche Wundergeschichten und chassidischer Legenden erzählen liess, und gerade als Aussenstehen• der die Fähigkeit kritischer Beurtei*ung zu besitzen glaube.. Ich erinnere mich, dass die Erzählung des ״Dibbuk“ einen ausserordentlich, starken Eindruk auf mich machte, und auch heute möchte ich sie als die schönste und ergreifendste yon allen mir bekannten bezeichnen. Dies gilt jedoch nur für den ״Dibbuk“ Ansky’s, nicht jedoch für den ״Dibbuk“, der eingangs von mir ge• schildert worden ist. Ich kann hier nicht auf den Chassidismus und seine Legenden näher eingehen. Auch will ich mich keineswegs über den tielerea Sinn des Dibbuk auslassen, oder die Möglichkeit seiner Existenz zu beweisen suchen; denn ob man sie leugnet oder sie anerkennt, so bleibt der Wesenskern des Judentums unberührt. Doch vergibt man sich auf der anderen Seite auch nichts in kultureller oder intellektueller Beziehung, wenn man Erzählungen und Erdichtungen der Chassidim nicht als geschmacklos oder unsinnig ablehnt. So betrachte ich, der ״verbissene Misnagid“, ihre Geschichten zwar als Gebilde der Phantasie, sehe sie als reine Legenden an; aber weiter gehe ich nicht. Sie alle ordnen sich in ein logisch fest gegründetes System ein. Allerdings hat der Glaube an sie zur Vorbedingung eine völlig andere religiöse Einstellung, als sie ein moderner Jude besitzt. Um die VorsteDung eines ״Dibbuk“ verstehen zu können, muss man sich mit den folgenden religiösen Auffassungen vertraut machen: Die Aufgabe des Menschen während seines Erdendaseins ist die, während seines Lebens Gutes zu tun und auf diese Weise das Schöpfungswerk Gottes fortzusetzen. Hat der Mensch, d. h. die ihm bei seiner Geburt geschenkte Seele, diese Aufgabe erfüllt, so wird ihm nach seinem Ableben ein Anteil am Paradies zuteil, und seine Seele darf dort unter den Seelen der anderen Frommen (Zaddikim) weilen. Kam er dieser Pflicht hingegen nicht nach, so kann die sofortige Aufnahme der Seele nicht stattfindeD, vielmehr