Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Der Dibbuk und unter allen Umständen austreten muss? Die Antwort auf diese Fragen wären sehr interessant gewesen. Herr Dr. Klein hat es aber vorgezogen, sie nicht zu geben. ״Der Dibbuk“. Von Lehrer Abraham Benengohn, Hainichen i. Sa. Mit dem Wesen jener ruhelos irrenden Menschenseele, genannt *Dibbuk“ oder nach der Schreibweise des Anski'schen Dramas *Dybuk* beschäftigt man sich in jüdischen Kreisen Deutschlands letzthin, angeregt durch die Darbietungen der ״Wilnaer Truppe* und der *Habimah“, vielfach, während bis dahin dieser Begriff, ja, sogar diese Bezeichnung nahezu unbekannt gewesen sein dürfte. Diese Stimmung scheint Dr. Jacob Fromer den Anlass gegeben zu haben eine Erzählung mit demselben Titel zu ver־ öffentlichen, in der geschildert wird, wie der *Dibbuk“ in ein Mädchen fährt, das den Rabbi, vor den es geführt wird, verhöhnt, ja in unflätiger Weise beschimpft, worauf sich der Rabbi derart vergisst, dass er das Mädchen mit einem Lulaw(!) züchtigt, worauf der Dibbuk mit lautem Knall in die Fensterscheibe ein Loch schlägt, durch das er aus dem Zimmer entweicht. Diese Erzählung, die in nichtjüdischen Zeitungen stand, fand auch in einer vielgelesenen jüdischen Zeitung Deutschlands Aufnahme, deren Redaktion einleitend hinzufügte: *Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen*. Demgegenüber behaupte ich: Wer aus des Dichters Lande kommt, muss bei der Lektüre von Fr omer s *Dibbuk“ grosse Augen machen und die Frage auf werfen: war dieser Dichter jemals in *Dichters Lande“? Hat er dessen Leben und Sitten mit Augen gesehen, oder sich nur von anderen darüber — schlecht — erzählen lassen? Schreiber dieser Zeilen ist im Lande der .,Dibbuklegende44 geboren und hat dort seine Jugend verbracht. Hervorheben möchte ich, dass ich nicht von sog. *Chassidim“ abstamme, die allein das Milieu der Handlung bilden, vielmehr gehöre ich, wie alle meine Vorfahren za den sog. *Misnagdim“ (Gegnern der Chassidim), die