Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Probleme der jüdischen Erziehung 43 Mutter Helfer und Kameraden sein können״. Vielleicht trifft das bei sehr sanften Mädchen und besonders tüchtigen Müttern zu. Aber meistens werden ältere Freunde oder Lehrer zu Vertrauten gewählt. Diese Tatsache erscheint auch nach dem ganzen Habitus der Jugendperiode durchaus verständlich, (vgl. Spranger). Sehr bedenklich aber muss es erscheinen, wenn für das Jugendalter solch ein religionsgeschichtlicher Exkurs als Schutz empfohlen wird. Gewiss ist er mit andren Religionsformen durchaus möglich. Aber nicht das rechnet sich das Judentum als Tat an, dass ״seine Sehnsucht nach Vollkommenheit und Einheit jenen Einen Gott schafft“. Der Gottesbegriff der jüdischen Tradition gilt als Offenbarung, ist also absolut. Ein Begriff aber, der aus menschlichem Gefühl, aus menschlichem Denken heraus erst ein Sein schafft, ist relativ, also wandelbar. Es ist erstaunlich, dass man eine solche Auffassung, zu der sich keine positive Religion bekennen kann, einem ״traditionell umfriedeten Hause“ zumutet. * In der Tat: ein echtes Problem jüdischer Erziehung, das positiv vielleicht so zu fassen wäre: Wie können wir in unsern Kindern die Herzensinnigkeit und Tiefe der Gefühlsverbundenheit mit Gott erstehen lassen, wie sie z. B. in den Psalmen zu lebendigem Ausdruck kommt? Zur Lösung dieser Aufgabe ist der Weg über die Geheimnisse der Welt, über die Demut vor den selbsterlebten Wundern sicherlich notwendig: השמים מספרים כבוד אל. Aber er ist nicht der einzige. Die jüdische Ueberlieferung stellt daneben einen zweiten: תורת ה תמימה. Auch dieser Weg ist nicht etwa nur ein Weg des Intellekts; auch hier kann, ja muss das Gefühl, die Erlebnisfähigkeit erweckt werden. Schon bei der Uebermittlung von blossem Wissen ist es schwer, eine allgemeine giltige und restlos brauchbare Methode zu finden. Zuviel hängt von der Eigenart des Lehrenden ab: Der eine hat mit dieser, der andere mit jener Methode den besten Erfolg. Wieviel gewagter muss es erscheinen, Methoden zur Erweckung des Gefühls anzuempfehlen! Da ist ja Grad und Art der Gefühlsfähigkeit des Erziehers durchaus ausschlag-