Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42 Probleme der jüdischen Erziehung das religiöse Denken nicht nur, sondern vor allem auch die religiöse Tat, die Mizwah, zumindest gleichberechtigt neben dem religiösen Gefühl. Kann man sich eine religiöse Erziehung in jüdischer Tradition denken, die im blossen Gefühl verharrt, die aber nicht je nach Aufnahmefähigkeit der einzelnen Altersstufen zu religiösen Begriffen und zur Heiligung der Tat langsam hinaufführt? Erziehung zum religiösen Gefühl ist nur ein Teil der Aufgabe der ״religiösen Erziehung״ überhaupt. Kann wohl eine Trennung zwischen ״Göttlichem an sich״ und Gottes begriff rein durchgeführt werden? Wenn das Kind Gott im Grund der Geheimnisse der Welt und des Ich entdeckt, so wird es das alsbald in einen Begriff fassen, etwa: Gott ist Schöpfer und Erhalter der Welt. Es ist ersichtlich, dass ein Bescheideneres vorschwebt: Gefühl vom Göttlichen soll rein erlebt werden! Denn Wissen geht alsbald in Begriffe ein. Es kann natürlich nicht gemeint sein, dass der Erzieher schon dem Kinde diese Trennung zwischen Gefühl und Denken klar machen soll: denn das würde jede kindliche Frömmigkeit durch logische Schematik zerreissen und töten. Ist es aber unbestreitbar, dass ein starkes religiöses Gefühl den Jugendlichen unversehrt durch alle Zweifel hindurchgeleiten wird? Bei vielen ruft die Pubertätszeit eine so restlose Um- Wandlung hervor, dass die gesamte Gefühlswelt der Kinderjahre verschüttet wird. Der radikale Intellektualist — wie viele sind das zwischen dem 15. und 22. Lebensjahr! — macht sicher nicht vor einem blossen religiösen Gefühl halt, wenn er erst einmal materialistisch-naturwissenschaftlich beeinflusst worden ist. Das gehört dann mit zum belächelten ״Kinderglauben־‘. Nein, Gefühl ist nicht alles! So wertvoll es an sich ist und so stark es vielleicht in späteren Lebensperioden wieder hervorbrechen mag, in der Zeit des Ueberwiegens des Intellekts muss vor allem der Intellekt für das Judentum mobilisiert werden. Die Jugendperiode wird übrigens etwas einseitig fraulich, etwas sentimental beurteilt, wenn man behauptet, dass es selbstverständlich ist, dass in der Zeit der Zweifel ״nur Vater und