Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293051--08816-2302097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Probleme der jüdischen Erziehung 41 psychologischer Vertiefung ausruft: Wie kann man innerhalb einer traditionellen Erziehung das religiöse Lehen vor Versandung und Versteinerung bewahren? Da finden wir nun die Antwort: Man soll ,das Göttliche an sich“ trennen vom Gotteshegriff; jenes als das Ewige, Unwandelbare, dies als den Weg, das Streben zu ihm hin. Im eigentlichen Kindesalter muss ,erst einmal die religiöse Erlebnisfähigkeit“ im Kinde erweckt werden. Durch die Wunder der Welt muss es zu dem Göttlichen an sich hingelenkt werden. So kann man es etwa beim Zerpflücken einer Blume auf die letzten Fragen führen, dorthin, ,wo das Geheimnis, das allen Dingen zugrunde liegt“, sich kundtut. Auch auf sein eigenes Innere soll es lauschen lernen, in Demut seinen eigenen Zusammenhang mit den ewigen Geheimnissen empfinden. Ein Kind aber, das 80 mit dem ,Göttlichen an sich“ als mit eignen Erlebnissen verknüpft wurde, wird in der Entwicklungszeit, die gewöhnlich die Zeit der Zweifel ist, nicht das Dasein Gottes bezweifeln, sondern nur den überlieferten Gottes begriff. Und nun soll man ihm den Monotheismus als die schöpferische Tat des Judentums schildern, nicht ohne vorher den Fetischismus und Polytheismus als überwundene Vorstadien erläutert zu haben. ,Der jüdische Monotheismus als reine Sehnsuchtsschöpfung“ seiner Väter nach Güte und Reinheit, nach Vollkommenheit und Einheit, wird ihm die jüdische Ueberlieferung wie sein eigenes Erleben erscheinen lassen, und er wird sein Leben ,innerhalb der traditionellen Umfriedung“ zur vollen Hingabe an Gott gestalten Dem Wissen aus dem*) Verstand, der es nach Begriffen ordnet, wird hier ein Wissen aus dem Erleben, also aus dem Gefühl entgegengestellt. Im Gefühl 8011 die Beziehung zu Gott verankert werden. So berechtigt diese Forderung gegenüber einem einseitigen religiösen Intellektualismus ist, so muss man sich doch hüten, nun in die entgegengesetzte Einseitigkeit zu verfallen, die behauptet: Gefühl ist alles. Es steht im Judentum *) vgl. zu dem Folgenden: Elfriede Bergel-Gronemann ״lieber religiöse Erziehung“ (Der Jude, S. 100—105).