Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40 Probleme der jüdischen Erziehung Es liegt durchaus in der Linie zionistischer Weltanschauung, die hebräische Sprache als das Allheilmittel, als die Lösung für alle Probleme hinzustellen. Und sicherlich hat die Sprache eine ungeheure Macht: die Kraft, durch die verschiedenen Zeiten und durch alle Räume einer Gegenwart ein Volk zu einen. Gewiss ist sie auch imstande, den Entfremdeten zu den ״Urmachten“, zu den ״wahren jüdischen Werten“ zurückzuführen. Aber kann wirklich die Sprache allein ״den Alltag heiligen“? Nein, ״die neschamah jetherah, die Feiertagsseele des Juden“ kann nur wieder auferstehen, wenn die jüdische Religion sie aus dem Dornröschenschlaf küsst — niemals aber durch die Sprache allein. Ja: ״über die Sprache führt der Weg zur Erlösung“ — aber sie ist nicht die Erlösung. Die Sprache soll über den ״äusseren Formen“ stehen, weil sie alle Juden, die Formen aber nur noch einige bindet und verbindet? Dies begründet aber kein Werturteil; denn an sich ist die Sprache ebenso wertfremd wie irgend ein Gefäss, irgend eine Form. Es kann auch genau so Götzendienst getrieben werden. Wer die religiösen Formen abstreift, weil er ihren religiösen Gehalt nicht kennt oder nicht bejaht, der kann genau so mit den Formen der Sprache verfahren — man denke an die überzeugten Jiddischisten! Alle Bedeutung und Zukunftswirksamkeit der heiligen Sprache gern zugegeben — es ist gewaltsam, wenn man behauptet, dass durch sie alle jene schweren Probleme der Er- Ziehung gelöst werden könnten. Durch solche Uebertreibung tut man ihr keinen Gefallen. Wenn man aber gar den Satz liest: ״Wer das Hebräische als geistigen Wert will — und nur der — ist im wahren Sinne ein Jude, er mag sonst denken, ,wie er will“ — so muss man sich fragen, ob der sonst so umsichtig urteilende Verfasser dieses Verdikt wirklich ernst genommen wissen will. 4. Wo die Tradition als Grundlage der Erziehung bejaht wird, werden andre Komplexe von Fragen aufgerollt. So das Problem, das in jeder Generation, in jeder Familie immer wieder zu