Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der jüdischen Erziehung 37 samkeit durch den Teil der Gemeinschaft bestimmt, in die er versetzt wird. In hohem Idealismus nimmt er die sein-sollende Gemeinschaft eines thoratreuen jüdischen Volkes in den Gemeinden des Golus für Realität. Bittere Enttäuschungen vernichten dann oft genug die seelische Spannkraft des Einzelnen. Und dennoch: ist es nicht eben dieser ideale Ansatzpunkt, diese Voraussetzung der Existenz eines jüdischen Volkes sub specie des Gesetzes, der ihm immer wieder die reale Existenz erhalten hat? Das ist eben unser Besonderes: unsere Gemeinschaft ,im strengen Sinn* — d. h. doch im Sinne einer durchgehenden Einheit der Kultur — ist nicht da! Aber dank ihrer festen Basis wird immer und immer wieder an ihr gebaut. Und was können denn ״im strengen Sinn“ die anderen Völker — selbst mit ihrer numerischen Geschlossenheit — Grösseres leisten? Wie wichtig ist es für die jüdische Gesamtheit, welche Stellung in der Erziehung der jungen Juden in Palästina das überlieferte jüdische Kulturgut einnehmen wird. Der russische Radikalist will es zu Gunsten der europäischen Kultur gänzlich nusschälten; der russische Orthodoxe will es mit allen mitgebrachten östlichen Formen und Fehlern in absoluter Alleinherr- Schaft erhalten. Aber aus der Welt derjenigen, die gar keine jüdischen Kulturwerte mehr besitzen, wächst tausendfach die Sehnsucht hervor, das Judentum zu suchen, während andererseits diejenigen, die nur in jüdischer Tradition und Gemeinschaft aufgewachsen sind, tausendfach in Gefahr kommen, beides zu verlieren. So kommt nun auch schon der nachdenksame zionistische Erzieher zu der Problemstellung: Wie ist das allgemeine Europäertum und die jüdische ״nationale* Kultur zu vereinen? Ja, er verlangt, dass diese Gegensätze durch eine höhere Synthese überwunden werden — welcher Art diese Synthese sein soll, ist allerdings noch nicht gefunden. Der deutsche thoratreue Jude sollte solche Zeichen nicht unbeachtet lassen. Im Zionismus wiederholt sich — wenn auch noch nicht mit bewusst religiöser Blickrichtung — die Problem- Stellung, die in Deutschland schon vor hundert Jahren akut war und die durch die geniale Leistung eines Samson Raphael Hirsch