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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 36 (sequence 38)
Language
German
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36 Probleme der jüdischen Erziehung Allerdings ist die Verantwortlichkeit des Kindes noch nicht voll — und gerade das Judentum zieht die Grenze zwischen diesem Stadium und dem der Voll• Verantwortlichkeit an der Stelle, wo sich nach Spranger Kindheit und Jugendalter scheiden. Aber eben deshalb kann man in der Erziehung mit dem Einprägen der Gebote nicht bis zu dem Augenblick warten, wo die volle Verantwortlichkeit bereits einsetzt. Und kann sich das Gebot vielleicht wirklich vorher noch nicht an die Vernunft wenden, so doch sicher an den kindlichen Willen. Gehorsam ist schon Tat eines sittlichen Willens, vielleicht eines kindlichen Formats des Willens; aber er ist sittlich; denn er unterwirft sich einem »Soll״, einem höheren Gesetz unter Selbstüberwindung. 3.*) Nirgends enthüllen sich alle Schwierigkeiten jüdischen Daseins überhaupt 80 deutlich und 80 gesammelt wie im Bezirk der Erziehung. In der Tat — denn auch alle äusseren Schwierigkeiten im Erziehungswerk beruhen letzten Endes auf inneren Problemen der Gesamtheit oder leiten zu solchen hin. Sogar diese Gesamtheit als solche erweist sich als Problem. »Der einzelne Erzieher, und mag er der genialste Mensch sein, ist nichts als der Vollstrecker des Willens seiner Gemeinschaft״. Wie aber, wenn uns Juden die Gemeinschaft im strengen Sinn fehlt? Wie oft kommt es einem jüdischen Lehrer schmerzlich zum Bewusstsein, dass er des Rückhalts, den die Atmosphäre einer starken Volksgemeinschaft anderen zum Gelingen ihres Erziehungswsrkes bietet, entbehren muss! Er befindet sich in der tragischen Situation, dass er als Vollstrecker des Willens einer Gemeinschaft arbeitet, die »im strengen Sinn״ gar nicht da istl Für den thoratreuen jüdischen Erzieher liegt allerdings dies Problem anders: er ist nicht 80 sehr Vollstrecker des Willens, als Sollens seiner Gemeinschaft. Seine Basis ist fest: Die הורה. Aber auch für ihn wird Wohl und Wehe seiner Wirk- *) vgl. zu dem Folgenden: V. Kellner, Die Problematik der jüdischen Erziehung {,Der Jude*, S. 10—22).

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