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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
Language
German
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34 Probleme der jüdischen Erziehung und irgend ein anderes Gebiet der Kultur, so muss vorher erst eine andere Frage völlig geklärt sein: welches ist der Ort der Religion im System der Philosophie? Diese Frage ist von den Altmeistern der neukantianischen Philosophie Cohen1) und Natorp gestellt und auf ihre Weise beantwortet worden (freilich erst spät, nachdem im übrigen ihr ״System“ längst gebaut war). Auch Rosenzweig2) kann bei solchen Problemstellungen Führer sein. Wo aber ein festes System von Begriffen nicht zugrunde gelegt wird, da kann über ״Religion und Erziehung“ nicht mehr auf wissenschaftlichem Grunde diskutiert werden. Sollen wir glauben, dass einen Menschen zu erziehen, das Künstlerischste ist, was ein Mensch vollbringen kann? Und dass auch alle Religiosität ein künstlerisches Vermögen ist — dass also Religiosität und Erziehung einander nebengeordnet sind, weil beide ״Form geben“? Form geben aber sei das Künstlerische an sich, das somit. der Religion und der Erziehung übergeordnet ist? Nein; alle diese Thesen entspringen einer heute in manchen Kreisen herrschenden Hypertrophie des Begriffes Kunst — einer romantischen, aber logisch unhaltbaren Ueberordnung der Kunst über sämtliche anderen Gebiete des Geistes. Das jüdische Volk — als das klassische Volk der Religion — hat keinen Grund, diese Romantik mitzumachen. Dagegen kann die Meinung, dass Religiosität, Kunst und das Wesen des wahren Erziehers letzten Endes im Metaphysischen verwurzelt sind, sich mit der positiven Religion und ihrem Anspruch gut vereinen. Aber auch die Nebenordnung von Religiosität und Er- Ziehung muss doch wohl abgelehnt werden. Das gleiche Merkmal des ״Formgebens* kann deshalb nicht genügen, weil man dann noch viele andere Arten des Formgebens daneben reihen könnte: jede Regel, jedes Gesetz, jede Organisation ist ein Formgeben — und braucht doch mit Kunst noch nichts zu tun zu haben. Die unterscheidenden Merkmale von Religion einerseits, von Erziehung andererseits sind für ihren Ort im System der ג) Herrn. Cohen, Der Begriff der Reügion im. System der Philosophie. 2) Pr. Rosenzweig, Der Stern der Erlösung.

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