Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum 21 Linie zu finden in der alten und neuen Orthodoxie, in dem gesetzestreuen Judentum in Ost und West. U nterschiede sind naturgemäss vorhanden. Diese machen sich aber auch innerhalb des gesetzestreuen Judentums Deutschlands selbst geltend. Sie haben sich sogar zu zwei Gruppen verdichtet, die, obwohl ihre Grenzen ineinanderfliessen, doch sich mit verschiedenen Namen bezeichnen. Wie bereits hervorgehoben, beruhte die religiöse Genialität Hirschs auf seiner Einseitigkeit. Er brach bewusst mit allen Methoden, die von seinen Vorgängern eingeschlagen worden waren, mit denen diese die Grundlagen der Lehre des Judentums mit Kultur und Wissenschaft ihrer Zeit in Einklang gebracht. Die Folge war, dass Hirsch völlig in seinen Bann nur den gebildeten Laien geschlagen. Die Gelehrten, die naturgemäss mit den allgemein gütigen Methoden der Wissenschaft auch an die Behandlung der Disciplinen der jüdischen Wissenschaft gehen, wie es etwa die Grammatiker, Exegeten und Religionsphilosophen des jüdischen Mittelalters entsprechend ihrer Zeit getan, sind ihm in diesem Punkte nicht gefolgt. Dieser Kreis fand sein Zentrum im Rabbinerseminar zu Berlin. Sein Gründer Rabbi Esriel Hildesheimer hat, was die Auswirkungen auf das deutsche Judentum betrifft, die gleiche Bedeutung wie S. R. Hirsch. Die Hunderte von gesetzestreuen Rabbinern, die das Rabbinerseminar als geistige Führer in die Gemeinden ausgesandt, übrigens auch ins Ausland als Rabbiner, Lehrer und Dozenten an Rabbinerbildungsanstalten haben diesen Geist, was die Reichweite der Wirksamkeit betrifft in noch höherem Masse zur Geltung gebracht als sie dem spezifisch geistig-religiösen Habitus der Schule Hirschs vergönnt war. Von zahlreichen hier aufzuführenden Namen nenne ich nur die sicher auch in diesem Kreise bekannten: den Orientalisten an unserer Universität Barth, die Autorität für die Einleitungswissenschaft in die Literatur der Tannaiten und die positive Pentateuchforschung Hoff mann und den vielseitigen Bereicherer der jüdischen Geschichte und Literaturgeschichte Berliner. Diese Gruppe bezeichnet sich mit Vorliebe als gesetzestreues Judentum, während der Kreis um Hirsch die Bezeichnug