Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum stellt. Anders ist es in den östlichen Ländern, dort wo auch an sich die weit, weit überwiegende Masse der Judenheit ihren Sitz hat. Es gibt für religiöse Abstufungen keine Statistik. Man darf aber wohl ohne auf Widerspruch zu stossen, behaupten, dass die Mehrheit der Juden dem gesetzestreuen Judentum zuzuzählen ist. Sie werden in den beiden nächsten Vorträgen vom politischen Zionismus und vom geistigen Nationaljudentum hören, die ihre stärksten Wurzeln ebenfalls im Osten haben. Die diesen Richtungen Angehörigen sind aber nicht der Masse des gesetzestreuen Judentums abzuziehen. Hier schneiden sich die Kreise, und innerhalb des Zionismus gibt es eine grosse Zahl gesetzestreuer Juden. Dürfen wir aber von einer Einheit des gesetzestreuen Judentums reden, wo doch oflenbar so grosse Unterschiede der Kultur walten? Ich weiss nicht ob für die Zukunft im Rahmen dieser Vorträge eine Schilderung von Wesen und Religion dieser grossen für das Judentum als Ganzes ausschlaggebenden Schichten in Aussicht genommen. Es wäre vom grössten Interesse, die verschiedenen Nüancen, in denen das gesetzestreue Judentum sich in den verschiedenen Kreisen darstellt, herauszuheben. Dass aber eine Einheit in der Mannigfaltigkeit unbedingt besteht, das kann keiner bestreiten. Sicher ist in äusseren Gehaben, in allem, was die Errungenschaften der Zivilisation betrifft, in dem Ausmass profaner Bildung ein gewaltiger Unterschied etwa zwischen einen ostjüdischen Rabbiner und einem deutschen gesetzestreuen Akademiker. Aber im Tiefinnersten der r e 1 i - g i ö s e n Kultur, der jüdisch religiösen Kultur sind sie nicht so sehr von einander geschieden. Wie ist das Rätsel zu lösen? S. R. Hirsch hat eben nichts Neues gegeben, sondern das Alte, die jüdische Art, wie sie dem Juden turne zur Zeit des Talmuds und des ganzen jüdischen Mittelalters eignete, in Deutschland zu neuem Leben erweckt. Das wird freilich von Vertretern des Reformjudentums bestritten. Sie haben die neuere Richtung des gesetzestreuen Judentums mit dem Namen ״Neuorthodoxie“ belegt. S. R. Hirsch wäre der Erfinder der Orthodoxie. Es kann hier nicht meine Aufgabe