Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum 17 vor, der zur Maxime des gesetzestreuen Judentums geworden überall dort, wo es in die moderne Kulturwelt eingetreten ist, יפה תלמוד תורה עם דרך ארץ. Schön und wertvoll ist das Thora- Studium nur, wo es einen Bund mit der Kultur geschlossen, wo es die reichen Schätze der Kultur in sich aufnimmt, um sie in den Dienst des theoretischen Studiums der Gotteslehre und ihrer praktischen Erfüllung zu stellen. Die ganze Lebensarbeit S. R. Hirschs als Rabbiner ist nur auf die Durchführung dieses Prinzips gerichtet. Die Erfüllung der göttlichen Gebote in ästhetisch ansprechender Form, dem Gottesdienst in Schönheit auch in thoratreuen Kreisen überall eine Stätte zu bereiten, die Jugend zu erziehen, dass sie zu profan gebildeten thoratreuen Jüngern heran wachse, damit sie, erfüllt von dem Geiste des Humanismus unserer deutschen Dichtung, erst die ganze Tiefe und Schöne der sinaitischen Offenbarung erfasse. Die klassische Prägung erfährt diese Zielsetzung in der Wortbildung: Mensch-Jissroel. Der Humanismus, das reine Menschentum der Unterbau, Israel das Judentum die Krönung. So wurde Hirsch bahnbrechend auf allen Gebieten der geistigen Führung jüdischer Gemeinden, wandelte seine Gemeinde in eine Mustergemeinde der jüdischen Welt, wurde wegweisend für das jüdisch-konfessionelle höhere Schulwesen. Seine Realschule wurde zum Vorbild aller höheren jüdischen Schulen, die seitdem entstanden, die Programme, die er alljährlich zur Schlussprüfung in die Welt sandte, singen das Hohelied einer jüdisches und deutsches Wesen harmonisch vereinigenden Jugendbildung. Ich habe bisher, da die Darstellung sich an die Charakterisierung der Persönlichkeit und Wirksamkeit S. R. Hirschs anschloss, eigentlich nur von dem gesetzestreuen Judentum Deutschlands beziehungsweise West europas gesprochen. In Westeuropa, wie in allen Ländern, die völlig in die moderne Kultur einbezogen, sind die ernstlich religiös Interessierten nur eine Minderheit. Kein Wunder daher, dass das Gleiche vom Judentum gilt und nun gar vom gesetzestreuen Judentum, das so ausserordentliche hohe Ansprüche an seine Bekenner 2