Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293051--08790-2302071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum 15 Nach Frühlingen zählt der jüdische Geist. Gas Frühlingsparadies — nicht erst das jenseitige — setzt er an den Anfang der Menschengeschichte, und das Frühlingsparadies zeigt er als Ziel der Geschichte, und ein Leben auf Erden zu lehren, in welchem Nichts vergänglich, in welchem Alles ewig, Alles vom Hauche ewiger, freudiger Göttlichkeit durchwehet werde, ein Leben auf Erden zu lehren, in welchem selbst Mühe und Arbeit, Trauer und Schmerz sich zu seliger Heiterkeit verklären und der vergänglichste Keim und die flüchtigste Minute, vom ewigen Gottesgeist des Menschen erfasst, als eine ewige Blüte in den Kranz der Vollendung sich fügt, und schon hier auf Erden die Seligkeit blühet und schon hier auf Erden die Ewigkeit taget und mitten durch Sturm und Nacht einer ewig herrlichen Frühlings- und Tages - Verjüngung entgegenreift — von Morgen zu Morgen, von Frühling zu Frühling zählen und leben zu lehren, das ist die Summe der jüdischen Botschaft des Heiles. Aber b e v 0 r die Seligkeitswahrheit Eingang finden kann, muss die Täuschung geschwunden sein, der Frühlingsbotschaft muss die Herbstposaune vorangehen, die Thischrizählung musst du beherzigt haben, wenn du Frühlingsjahre zählen und leben willst; darum, tritt-dir der Thischri entgegen am Anfang deiner irdischen Wallfahrtsjahre und will die Täuschung vernichten und den Wahn verscheuchen, und will dich lehren: auf von Täuschung und Wahn befreitem irdischen Boden, mitten in der Vergänglichkeit, mit dem Vergänglichen, heiter und selig die Hütte deines Lebens zu bauen. Ich habe diese Probe auch gewählt, weil in ihr, wie übrigens auch in vielen Stellen ein Grundgedanke der von Hirsch betonten Welt- und Lebensanschauung des gesetzestreuen Judentums zum Ausdruck kommt, dass das Judentum trotz der Fülle seiner Gebote eine Religion des Diesseits sein will. Wir sagen eben nicht trotz sondern gerade wegen der Fülle dieser Gebote. Wohl ist auch der Blick auf das Jenseits gerichtet. Aber bei der Erfüllung der Gebote ist der beherrschende Gedanke der Satz der Mischna: Der Lohn des Gebots ist eben das Gebot. Und ferner ■שמחה של מצוד: Die Freude an der Pflichterfüllung selbst schafft das Glück hinieden. Für Hirsch gilt das aber in einem noch viel umfassenderen Sinne. Die Erfüllung des göttlichen Gesetzes bietet — ganz abgesehen von diesem rein formalen Element der Freude an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.