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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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12 S. R. Hirsch und das ge^etzestreue Judentum waltsamkeiten abgehen kann, so hat diese seine schriftstellerische Tätigkeit (niedergelegt in unzähligen Aufsätzen, seinem Pentateucbkommentar, seinem Choreb, Versuche über Israels Pflichten in der Zerstreuung) doch ungemein viel zur Belebung des religiösen Empfindens innerhalb des gesetzestreuen Judentums beigetragen. Was aber der schriftstelleriehen Tätigkeit S. R. Hirschs eine so grosse Resonanz verleiht, das war die Form, in die er seine originalen und geistvollen Gedanken zu kleiden verstand. Viele Jahre gingen seine Monatsbetrachtungen, die in seiner Zeitschrift ״Jeschurun“ erschienen, in die Welt hinaus, und wo immer die deutsche Zunge unter thoratreuen Juden erklang, da bezwangen sie die Gemüter mit einer an das tiefste der menschlichen Seele rührenden Gewalt, die keine religiöse jüdische Dichtung, in welchem Lager sie auch entstanden sein mag, jemals wieder geübt. Sie gestatten statt vieler aus allen Gebieten religiöser Erweckung beizubringenden Beispiele wieder nur eines, nur den Beginn einer Monatsbetrachtung. Das Probestück muss etwas ausführlicher ausfallen, weil ich wenigstens die Ausführung eines Gedankens vorführen will. Des Juden Katechismus ist sein Kalender. Auf die Fittige der Zeit, die uns durchs Leben tragen, hat Gott die ewigen Worte seiner beseligenden Lehre gegraben, und Tage und Wochen und Monate und Jahre zu Herolden seiner Wahrheiten gemacht. Den scheinbar flüchtigsten Elementen hat Gott die Pflege seiner Heiligtümer anvertraut und hat ihnen damit unverwüstlichere Dauer und unbedingtere Zugänglichkeit gesichert, als Priestermund und Denkmals-Erz und Tempel und Altar vermöchten. Priester sterben, Denkmäler verwittern, Tempel und Altäre zerfallen, aber die Zeit bleibt ewig, und ewig frisch und ewig neu tritt jeder jußge Tag aus ihrem Schoss. Nur zu wenigen kann der Priester wandern, Priester und Denkmäler, Tempei und Altäre müssen warten, bist du zu ihnen kommst, — und noch weit mehr bedarfst du ihrer ja gerade, wenn du n i c h t zu ihnen kommst, wenn du nicht einmal den Zug zum Heiligtume fühlst, oder die Schranken des Elends dich vereinsamen. Nicht also die Kinder der Zeit. Sie warten nicht, bis du zu ihnen kommst; sie kommen zu dir, unangemeldet, unabweisbar zu dir; sie wissen dich zu finden, mitten im geschäftigen Markte des Lebens, mitten im rauschenden Gewühle

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