Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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'S R Hirsch und das ersetze8treue Judentum 11 gleichsam als Kommentar, die mündliche Ueberlieferung einherging. Aus den Werken von Schürer, Weber, Bousset-Gressmann u. a. ist Ihnen bekannt, dass diese als uralt angenommenen Bestimmungen auf Grund von Andeutungen, Abwandlungen der Formen, syntaktischen Beziehungen aus dem Schriftwort selbst herausgelesen und dass für diese Ableitungen eine Reihe hermeneutischer Regeln aufgestellt wurden. S. R. Hirsch hat in seinem Pentateuchkommentar all die im. Reiche der Mischna und Tosephta, der halachischen Midraschim und der Talmude zerstreuten Bemerkungen verwandt, durch eigene Bemerkungen erweitert und so den Nachweis zu führen sich bemüht, dass die Bestimmungen des Talmud zumeist im Schriftwort der Bibel selbst begründet sind. Hat S. R. Hirsch hier Vorläufer gehabt, Gleichstrebende und Nachfolger gefunden, so steht eine Leistung von ihm einzig da in der Literaturgeschichte des Judentums: Die Vergeistigung des gesamten Komplexes der biblisch-talmudischen Gesetzgebung. Freilich: nie ist im Judentum das Gesetz als blinde Gehorsamsübung befolgt worden. Die Bibel selbst hat an vielen Stellen die Begründung hinzugefugt. Und wenn im Talmud und Midrasch auch den Erklärungsversuchen für manche Gruppen von Gesetzen Halt geboten wird, so haben sie selbst in mancherlei Aussprüchen uns den tieferen Sinn vieler Gesetze erschlossen. In der jüdisch^hellenistischen Literatur, bei den Exegeten, den Religionsphilosophen, den Kabbalisten des jüdischen Mittelalters und der Neuzeit, begegnen uns unzählige Versuche, den tieferen Sinn der biblischen und talmudischen Gebote und Verbote, ideengeschichtlich, allegorisch, symbolisch und mystisch auszuschöpfen. Keiner aber hat wie Hirtch das Ganze der Versuche in ein geschlossenes System gebracht, keiner sich 80 wie er bemüht, auf Grund von Prinzipien, die er in der Serie von Abhandlungen ״Grundlinien einer jüdischen Symbolik״ niedergelegt, alles, aber auch alles lückenlos zu erklären und dem Verständnis eines Geschlechts der Neuzeit näher zu bringen. Wenn es natürlich bei dem Streben so vieles, ja geradezu alles zu geben, nicht ohne Gezwungenheiten und Ge-