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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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S R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum 5 über S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum, den ich nun gebe, auch das Verständnis der Religiosität nicht nur der Religion des gesetzestreuen Juden sich Ihnen erschliessen wird. * * * Der Terminus »Gesetzestreues Judentum“ ist jungen Datums. Er konnte erst geprägt werden, als eine Gruppe im Judentum entstand, die einen Teil der mosaisch-talmudischen Gesetzgebung für unverbindlich erklärte. Diese Bewegung setzt in spürbarer Weise ein mit dem Eintritt der Juden in die moderne Kultur im Verfolg der Ereignisse der französischen Revolution und der Judenemanzipation. Sie gab sich zuerst vornehmlich nur in Erscheinungen des praktischen Lebens kund. Die Bewohner des Ghetto, bisher von allen Bildungsmitteln der neueren Zeit abgeschlossen, sahen sich in eine völlig neue Sphäre versetzt. Mit der unverbrauchten Kraft stürzten sie sich förmlich auf die Betätigung, die die moderne Zivilisation ihnen bot, aber Stellung und Beruf in dem neuen Kreise erschwerte das Festhalten an den biblisch-talmudischen Gesetzen und Bräuchen. Die alte Uebung wurde dem beglückenden Neuen geopfert. Für die materiell Veranlagten war das Streben nach reicheren Gütern, nach höherem Rang Grund genug für den Abfall vom Gesetz. Die tieferen Geister beeinflusste noch eine andere Erwägung. Allen Forderungen nach Emanzipation der Juden, nach ihrer völligen Gleichstellung mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern war immer entgegengehalten worden, dass sie sich die Juden erst verdienen müssten durch Abstreifung ihrer Eigenart, ihres Sonderlebens unter dem Gebote einer durchaus jüdisch-nationalen Gesetzgebung. Stimmen, die ja auch bis auf die neueste Zeit nicht verstummt sind. Ich erinnere unter den ernsten nur an die Partieen in Paulsens Ethik. So drängten auch ihrer Verantwortung bewusste Männer auf Assimilation, auf Angleichung an die nichtjüdische Umgebung.

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