Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum Arbeits v e r b o t. Aber freilich: jeder Gedanke an das, was ihn die Woche beschäftigt, ist ausgeschaltet, kein Wort darf über seine Werktagsarbeit, über seine geschäftliche Tätigkeit fallen. Er spricht ja jeden Sabbath-Morgen beim Weihegebet die Worte Jesajahs (Cap. 58,13): Wenn du den Sabbath in Ehren hältst, keinerlei Geschäften nachgehst und auch kein Wort darüber redest, dann wirst du eine Wonne am Ewigen haben. Und so ist eben der Sabbath ihm ein Tag der Freude, nicht turbulenter Lustigkeit, sondern geweihten Frohsinns. Vielleicht ist dem Aussenstehenden die Weihe des Abends an seinem eigenen Erlebnis klar zu machen. Was dem Christen die stille, heilige Nacht, das ist dem gesetzestreuen Juden jeder Freitagabend. Lichterglanz erfüllt den Raum, die Tafel festlich gedeckt, Smiroth, viele Jahrhunderte alte Dichtungen in der Sprache des Väter erklingen in traditionellen Melodieen. Selbst der Aermste voll Zufriedenheit im Kreise seiner Familie. Der Vater, je nach seinen Kenntnissen die Kinder aus der heiligen Schrift unterweisend, die Kinder, wenn erwachsen, aus Eigenem hinzufügend, der Gast bietet aus seinen Geistesschätzen, — alles in anregender Unterhaltung. Auch der Vereinsamte und Alleinstehende findet seinen Freitagabend tisch im Kreise der Gleichgesinnten. Undenkbar, dass dieser Abend ausserhalb des Hauses in Vergnügungsstätten verbracht wird. Das ist der Sabbat des gesetzestreuen Juden, der in dieser idealen, geistes erfüllten und dennoch lebensfrohen Weise nur verbracht werden kann, weil der Sabbath ihn auf Grund des Gesetzes von jeder Arbeit losgelöst, dass auch nur der Gedanke daran für ihn unfassbar ist. Dies eine Beispiel nur kann ich Ihnen geben. Einen ganzen Abend würde es füllen, wollte ich Ihnen die Herrlichkeit schildern, die dem gesetzestreuen Juden aufgeht am Sederabend, am Vorabend des Passahfestes. Welche Freuden aus der Erfüllung der Speisegesetze quellen, wie aus vielen Satzungen ein Reichtum von Ideen, Empfindungen und Willensregungen zuströmt, das kann, wie gesagt, jetzt im Einzelnen nicht dargestellt werden. Immerhin hoffe ich, dass aus dem Ueberblick