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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum 8 Tausende gesetzestreuer Juden dort lebten, die ihn eines Besseren belehren konnten. Er ist eben nicht wie sein grösserer LandsmaDn Rembrandt in die Zelte des eigentlichen Israel eingetreten. Das Verbot der S a b b a t h arbeit, meint Multatuli, auf dessen mit dem vollen Bewusstsein der Straflälligkeit ausgeübte Übertretung in der Tat die Bibel den Tod durch Steinigung setzt. Von vornherein sei bemerkt, dass in allen Zeiten die faktische Ausübung der Bestrafung durch eine Reihe von Kautelen fast unmöglich gemacht war. Aber das hat sich im Bewusstsein des Judentums Jahrtausende hindurch erhalten und ist noch jetzt ebenso lebendig, wie zur Zeit der Bibel, dass die Arbeit am Sabbath eine Todsünde ist. Der liberale Jude feiert zumeist nur die hohen Feiertage, das Neujahr- und Versöhnungsfest, ein verschwindend geringer Bruchteil entzündet am Freitagabend, dem Vorabend des Sabbaths, mit dem der Sabbath beginnt, die Sabbathlichter und spricht das Weihegebet über den Wein. Aber auch diesem ist der Freitagabend und der Sabbath ein Geschäftstag, wie jeder andere, belastet mit allen Mühen und Sorgen des Werktages* Für den gesetzestreuen Juden beginnt am Freitagabend eine andere Welt. Man kann ihm ein Vermögen bieten, ihm Rang und Ehren in Aussicht stellen, er wird die Todsünde der Sabbatharbeit ebensowenig begehen, wie irgend eine andere Todsünde, es sei denn, dass die betreffende Arbeit nach biblisch-talmudischem Gesetz gestattet ist, wie zur Heilung eines Kranken und in ähnlichen Fällen. Die Heiligkeit des Sabbath lagert über dem Hause. Er schleppt nun nicht etwa einen Folianten herbei, um nachzulesen, welche von den vielen Arbeiten nach dem Wortlaut der Mischnah, des Talmud und den Kodifikationen des Maimonides und des Schulchan Aruch verboten ist. Das alles hat er mit der Muttermilch eingesogen, es ist ihm zur zweiten Natur geworden, wie das Kind von früh an daran gewöhnt wird, sich nicht aus dem Fenster zu lehnen oder ans Feuer zu gehen. Und wenn ihm ein V ersehen unterläuft: ״wer will die Versehen kennen“, lehrt ihn schon die Bibel. Er denkt den ganzen Sabbath aber gar nicht an ein bestimmtes

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