Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum würde der Versuch, Ihnen das Wesen und den innersten Sinn nur einer einzigen Gesetzesgruppe zu vermitteln, die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit unmöglich machen. Darum will ich mich vorwiegend an den einen Punkt des mir vom Institutum Judaicum gestellten Themas halten, an die Persönlichkeit S. R. Hirschs und seine Wirksamkeit. Es werden sich dann ungesucht eine Reihe von Gesichtspunkten ergeben, die für die Auffassung des gesetzestreuen Judentums über das Gesamt gesetz von Bedeutung sind. Wie ich Ihnen gern die Bedeutung, die jedes einzelne Gesetz oder zum mindesten jede Gesetzesgruppe für unser jüdisches Leben hat, entwickelt hätte und wie es bei uns eine ganz apdere Färbung annimmt als im liberalem Judentum und wie es eben darum, weil es als Gesetz, als Gesetz Gottes gewürdigt wird, eben diese Färbung annimmt, dafür will ich Ihnen als Ersatz nur ein Beispiel bringen. Multatuli, der grösste Dichter Hollands, der Befreier der Javaner, sagt einmal in seinem Buche ״Ideen* im Kapitel ״Walter in der Lehre“: ״Es leben wenige Juden, die nicht — theologisch gesprochen — zehnmal des Tages müssten weggetan werden vor den Augen des Volkes durch Steinigung. So lange sich die Israeliten in Dingen, die ihnen angeblich heilig sind, so lau anlassen, kann ich sie nicht hochschätzen.“ Multatuli oder wie sein rechter Name lautet: Eduard Decker war offenbar nicht mit gesetzestreuen Juden zusammengekommen, obwohl in der hochberühmten portugiesischen und deutschen Gemeinde Amsterdams auch zu seiner Zeit sehr viele Welt- und Lebensanschauung doch jüdischen gesetzestreuen Kreisen allzu bekannt wäre, als dass ich ihnen hier etwas Neues bieten könnte. Freundliche Beurteiler des Vortrags meinten, es würde doch von Interesse sein, zu lesen, wie diese so spezifisch jüdische Persönlichkeit nichtjüdischen Hörern nahegebracht worden sei. Vor allem aber, dass S. R. Hirsch gerade in den Höhepunkten seiner literarischen Wirksamkeit — auch in unseren Kreisen — viel zu wenig gekannt ist. Sollten meine Ausführungen ihr charakteristisches Gepräge behalten, so musste dem obigen Abdruck auch die äussere Form des Vortrags gelassen