Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 627 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen 627 Gebieten des Judenhasses die Lächerlichkeit nicht tötet. Und für den Antisemiten? Wer an die Echtheit der ״Weisen von Zion“ glaubt, kann durch das Material, das hier geboten wird und das im Vergleich zu den Konstruktionen jenes Fälscherwerkes noch harmlos ist, in seiner Ueberzeiigung von den finsteren Weltherrscherplänen des Judentums wahrlich nicht erschüttert werden. — Anders mit dem zweiten anspruchsvolleren Werk: Wir sind der Meinung, dass diese ״Briefe“ wohl geeignet sind, einen Antisemiten, der zu den Intellektuellen gehört uud vor allem das ernste Streben hat, seine antijüdische Einstellung durch Verstandesmomente vor sich zu rechtfertigen, eines besseren zu belehren Voraussetzung ist freilich, dass er positiv-religiös zur Bibel steht• Verf. operiert mit den Wahrheiten des Offenbarungsglaubens. Dieser religiöse Eifer wird mit solcher Innigkeit vorgetragen und er trägt so sehr den Stempel eines echten religiösen Gefühlslebens, dass sich dem Leser die Ueberzeugung aufdrängt: hier spricht ein gläubiger Christ, der seinen Freund von der Schuld befreien will, die er durch jenen unchristlichen Hass auf sich lädt. Er ist aber auch zugleich ein deutscher Patriot von jener beschränkten deutschnationalen Gesinnung, die den Hauptteil der Schuld am Weltkriege auch heute noch nach allen Kundgebungen der Memoiren und Quellen auf die anderen schiebt, den Pazifizismus verwirft und die sittliche Stärkung des Deutschtums nicht zum geringen Teil von einer künftigen kriegerischen Anseinandersetzung erhofft. Um so wirksamer wird aber gerade von diesem Standpunkt der Appell an den Gleichgesinnten. Dabei ist auf verhältnismässig kleinen Kaum alles Wesentliche zusammengetragen, was einem, der sich überzeugen lassen will, zur Abwehr gesagt werden kann. Und man begegnet auch neuen Gedankengängen in der Behandlung des so vielfach breitgetretenen Stoffes, wie etwa der Erklärung dafür, dass die Juden nicht Genies wie Goethe und Shakespeare hervorgebracht haben (im letzten Briefe). Es wäre zu erwägen, ob nicht ein Weg denkbar, auf dem dies Buch positiv• christlichen Kreisen, die ja an sich den Antisemiten gerade ein grosses Kontingent stellen, zu vermitteln wäre. Sicher, dass es hier manchen zur Umkehr bringen würde. J. W. Arthur Pose er: Die Psalmen, das Reügionsbuch der Menschheit, eine ethisch-ästhetische Wertung des Psalmbuchs. C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin 1925.* Der Plan des Verf. ist im Untertitel gegeben Die Erfüllung wird dem Tiiel nicht gerecht. An eine ästhetische Wertung sind nach dem unendlich Vielen und Schönen, was über das Psalmbuch gesagt ist, höhere Ansprüche zu stellen. Statt ethischer Wertung sollte es auch besser heissen: religionsphilosophische Würdigung. Jene Bezeichnung passt vielleicht auf den zweiten Teil des Buches: ״Die Charaktere der Menschen*, nicht aber auf den ersten: ״Der einzelne Mensch in den Psalmen“, wo die Themata: ״Sehnsucht nach dem Göttlichen“, ״Eigenschaften Gottes“, ״Gottvertrauen,