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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 625

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 625 (sequence 101)
Language
German
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Büeherbesprechuugen 625 durch die ״ernüchternde“ 1Wirkung auf die Zuhörer erkennen, dass er an die Geschichte nicht glaubt. Mr. Landa hat den Rahmen seiner Untersuchung weiter gespannt, indem er dem Juden in der Entwicklung des Dramas von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart nachgeht, dabei auch die Frage des Juden als Schau- Spieler, Sänger und Autor weitgehendst berücksichtigt. Yf. erweist sich als überaus gründlicher Kenner des Theaters und weiss durch die lebendige Darstellung der oft schwierigen Materie auf jeder Seite zu fesseln. Besonders charakteristisch: die Leidenschaft der Anklage, die Landa denen.entgegenschleudert, die uns auf der Bühne so verzerrt dargestellt haben. Der Jude musste immer in nachteiliges Licht gerückt werden, dies zieht sich durch alle Phasen englischer Theatergeschichte hindurch, und es ist Landas Verdienst die Absätze und Uebergänge deutlich gezeigt zu haben. Auf der mittelalterliehen Bahne war der Jude der Feind des echten Glaubens, in der Renaissance betritt der jüdische Wucherer dfe Szene und wird hier zu einer unsterblichen Figur, Shylock, empor entwickelt. Um das Shylockproblem wahrhaft zu erfassen, genügt es allerdings nicht im Stile Landas moralische Zensuren auszuteilen, Dichter wie Heinrich Heine und Gustav Ländauer haben ganz anders in die Tiefe geschürft. Seit 1788 ist der Jude mit Jargon nachweisbar, der durch seine Sprachfehler ins Lächerliche gezogen wird. Durch Dickens Fagin ersteht aufs neue eine grandiose, jüdische Figur auch für die Bühne, aber wiederum ein Verbrecher. Dickens hat noch das Zungenanstossen (lisp) für den Bühnenjuden typisch gemacht. Die Gestalt des ehrenhaften Juden fand nur solche Anwälte, deren Werke teils durch mangelndes Können teils durch ungünstige Zufälle in Vergessenheit geraten sind. Dies gilt insbesondere für Cumberland und Wade. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts stellt Landa eine Wendung zum Günstigeren fest. Die Autoren bemühen sich jüdische Verhältnisse wirklich kennen zu lernen und kommen so zu einer gerechteren Verteilung von Licht und Schatten. Eine Ausnahme nur der Jude Zangwill mit seinem ganz unreal gestalteten Blum. De Levis aus Galsworthy’s Loyalties erfährt in diesem Zusammenhang eine eingehende Analyse. Dass Sheffauer’s ״New Shylock“ am Ende freudigen Herzens ein christliches Mädchen als Schwiegertochter anerkennt, brauchte Landa vom literarischen Standpunkte aus nicht wundernehmen. Dieses Motiv ist in Amerika leider bereits zur literarischen Tradition geworden, findet sich in der jiddischen Ghettoliteratur und sogar im Film (vgL His People). Ueberhaupt ist es kennzeichnend, dass selbst bei den wohlwollendsten Autoren immer nur solche Probleme gestaltet werden, die am Rande des Judentums liegen, wie Mischehe, Aufstieg in christlicher Ge- Seilschaft usw. Was Landa über das kontinentale Drama sagt, enthält in den Einzel• heiten manche Ungenanigkeiten (z. B. gehört Zweig’s ״Sendung Semaels“ sicher nicht in die Reihe der antisemitischen Stücke, Lessing ist trotz der

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