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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 624

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Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 624 (sequence 100)
Language
German
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624 Bücherbesprechungen ■ jüdischen Wesens. Wenn er aber dem Ausmass dieses neutestamentlichen Einilasses im ältesten England nachgeht, so hätte er auch an die mittelenglische Homilienliteratur denken sollen, ln der Predigt wirkte sich die Phantasie weit mehr aas als etwa im gleichzeitigen Epos oder Drama, hier worden die im N. T. gegebenen Elemente volkstümlich umgeformt und nur so kann die Brücke vom Herodes des neuen Bundes zum Herodes der Mysterien und weiter zu Barabas und Shylock gefunden worden. Ob nun ausser diesen und anderen literarischen Einflüssen novellististischer Art auch noch etwa den Dichtern bekannte zeitgenössische Juden als Vorblder zur Verfügung standen, ist heute eine umstrittene Frage. Gab es nach der 1290 erfolgten Austreibung ausjEngland noch Juden in diesem Lande bis 1640, wo das Niederlassungsrecht aufs neue gewährt wurde? Chronisten (Prynne) und Historiker (Greene u. a.) verneinen diese Frage; Literaturhistoriker wie der soeben verstorbene Sidney Lee glaubenden Urkunden entnehmen zu können, dass Juden stets, wenn auch illegal, sich auf englischem Boden befunden haben. Cardozo rüekt die Beurteilung dieser Theorie in den Mittelpunkt seines Buches und führt sein Material allein nach diesen Gesichtspunkten vor. Wenn er auch zu einer völligen Ablehnung der Lee-Wolf Hypothese gelangt, so werden wir mit Brandl, Kellner, auch Landa am besten einen mittleren Standpunkt einnehmen. In nennenswerter Zahl gab es keine Juden in England seit 1290. Aber Einzelne, die etwa als Aerzte kamen oder flüchtige Marannen, die lieber bald wieder auswanderten um ihren Glauben offen bekennen za können (z. B. Amis in Coryat’s Maturities 1626), oder aueh Convertiten, hat es sicher gegeben. Selbst aus solchen Spuren wäre es möglich, dass Marlowe und Shakespeare ihre Juden aus der Lebensbeobachtang heraus formten, wenigstens in einzelnen Zögen. Aber die Forschung hat literarische Einflüsse in überwiegendem Masse blossgelegt und ferner lässt sich an Barabas und Shylock nicht viel spezifisch Jüdisches nachweisen. Die literarische Vorgeschichte dieser beiden Figuren hat Cardozo sorgsam dargestellt und ist hierbei zu neuen Ergebnissen gekommen. Vermerkt sei die Zurückführung des Namen Shylock auf שלח (Gen. X). Dazu muss C. allerdings eine italienische Vorstufe des Kaufmann von Venedig annehmen (p. 222), was sich jedoch nicht recht beweisen lässt. Aus der Fülle des Materials seien noch die Beispiele hervorgehoben, wo Juden gerechterweise dargestellt werden. Langland in Piers Plowman rühmt jüdische Hilfsbereitschaft, Bobert Wilson zeichnet in den Three Ladies of London einen Juden Gerontus, der einem christlichen Schuldner das Geld erlässt, damit dieser nicht zum Mohamedanismus übertrete. Zur Frage der Ritualmordgeschichte in Chäncer’s Canterbury Tales sei noch hinzugefügt, dass diese doch der komisch gehaltenen Priorin in den Mund gelegt ist. Der Dichter lässt durch die Einkleidung der Schauergeschichte und auch

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