Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 617 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Makkabäer 617 rohen Körperkraft. Keiner wendet sich gegen die Wahrheit des alten Satzes, dass der gesunde Geist eines gesunden Körpers■ bedarf, keiner gegen die Berechtigung ja die Notwendigkeit, dem der Natur entfremdeten Grosstädter einen Ersatz zu schaffen in der Pflege von Leibesübungen. Keiner hätte vielleicht etwa» gegen die Körperkultur des klassisch-hellenischen Altertums, da in den Gymnasien die gleichen Jünglinge, die in den Hallen der Weltweisheit ihrer Lehrer lauschten, ihre Wettkämpfe in allen körperlichen Uebungen veranstalten, da die gleichen Bürger, die in den Olympischen Festspielen die Krönung ihres nationalen Lebens sahen, ihr Urteil über die Dramen eines Sophokles Aescbylos und Euripides Abgaben. Wir aber, so meinen diese Stimmen, nähern uns mit Riesenschritten der verruchten Art der römischen und byzantischen Kaiserzeit, da Menschenopfer fielen ohne Zahl in den Zirkusspielen zur Augenweide nicht hur des Pöbels, sondern auch der Geistesaristokratie. Friedländer in seiner berühmten ,Sittengeschichte Roms“ (III. Aufl. B. II S. 413 ff.) bemerkt: ,Nichts zeigt so sehr den ungeheuren Unterschied zwischen der Denk- und Empfindungsweise des römischen Altertums und des heutigen Europa, als die Beurteilung, welche die Schauspiele des Amphitheaters damals- und jetzt bei Gebildeten fanden. In der ganzen römischen Literatur begegnen wir kaum einer Aeusserung des Abscheus,, den die heutige Welt gegen diese unmenschlicheen Lustbarkeiten, empfindet... Ovid fand nichts Arges darin, das Schauspiel, in dem man sich am Anblick des Mordes ergötzte, zur Förderung. von Liebesverhältnissen besonders zu empfehlen_Der jüngere Plinius lobt einen Freund, der zum Andenken seiner verstorbenen Frau Verona ein glänzendes Fechterspiel mit vielen Panthern veranstalten wollte, und preist Trajan, ־dass er auch dieses Schauspiel dem Volke gewährt habe ,nicht ein kraftloses, weichliches, das die Seelen von Männern zu entnerven und zu schwächen, sondern das sie zu rühmlichen Wunden und zu Todesverachtung: Za entzünden geeignet war — ein eitles und grausames Vorurteil, wie der englische Geschichtsschreiber des sinkenden Reiches es mit Recht nennt, 80 edel widerlegt durch die Tapferkeit