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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 616

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 616 (sequence 92)
Language
German
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616 Makkabäer Makkabäer. Wenn ein thoratreuer Jude sich zu Kulturerscheinungen äussert, 80 kann er von vorneherein darauf rechnen, dass seine Anschauungen als borniert, seine Einstellung als veraltet, seine ganze Denk- und Gefühlsweise als in Vorurteilen befangen beurteilt wird. Wie kann man auch von Einem, der Bibel und Talmud, Halacha und Agada als Richtschnur nimmt, einen freien Blick für die Notwendigkeiten des Lebens und die Fortschritte der Zivilisation erwarten! Da selbst bei uns bis tief in die gesetzestreuen Kreise hinein nur das gilt, was von autoritativer nichtjüdischer Seite seinen Stempel erhält, so hat es mich gefreut, dass in der letzten Zeit in der Vossischen Zeitung, einem der angesehensten Organe der öffentlichen Meinung, Kundgebungen erschienen sind, die laut Einspruch erhoben gegen die Ueberschätzung des Sports, die in der modernen ״Kulturweit“ eingerissen. Ja! ״Kulturwelt“ in Anführungsstrichen. Millionen und Millionen nicht bloss aus den niederen Sphären, nein Männer und Frauen der Intelligenz, aus den hohen sozialen Schichten geraten in einen Taumel der Begeisterung angesichts der widerliehen Szenen, die sich bei den Meisterkämpfen der Boxer abspielen. Das Leben dieser ״Helden“ wird in den vornehmsten Organen, aus denen die heutige Intelligenz vorzüglich ihre geistige־ Nahrung erhält, bis in die kleinsten Züge mit einer Liebe geschildert,' die einer besseren Sache würdig wäre, ihre Bilder — oft nicht von denen eines Gorilla zu unterscheiden — prangen in allen illustrierten Blättern. Der Abstieg von dem Humanismus um die Wende des 18. Jahrhunderts, das doch zugleich Zeuge der Revolution und der napoleonischen Kriege war, ist ein erschreckender. Kreise, die über jeden Verdacht erhaben sind, in politischen oder religiösen Fragen dem ״Rückschritt“ zu huldigen, haben ihre schweren Bedenken darüber ausgesprochen, dass die Ideale der Geistigkeit und sittlichen Vervollkommnung immer mehr zurücktreten gegenüber der Verherrlichung der

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