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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 608

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 608 (sequence 84)
Language
German
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608 Das Karäertuin Verfassung eines entsprechenden Religionskodex. Dabei ־war seih Hauptgrundsatz: er mfisse sich in möglichst vielen Punkten vom traditionellen Judentum unterscheiden, denn das war ja die ״raison d’Stre* seines Schisma. Sein ״ Sefer ha-Mizwoth“ (Buch der Gebote), an dem Anan mehrere Jahre gearbeitet hat, *und das erst um 770 abgeschlossen war, wurde die Grundlage der neuen ananitischen Sekte. Dieses Werk zeigt klar, dass sein Autor kein origineller Kopf gewesen. Die genauere Untersuchung dieses Werkes führt zu folgenden Feststellungen: I. Das Verhältnis AnanS zur traditionellen Gesetzgebung ist das einer schlechthinigen Abhängigkeit. Er gibt sich alle Mähe den Anschein zu erwecken, als ob er selbständig verfahre, geht aber immer wieder den alten Weg der talmudischen Gesetzgebung. So hat er als Hauptlosung das Leugnen der Tradition proklamiert, und gebraucht gleichzeitig zur Schaffung seiner Gesetze die nomo-kanonischen Regeln (Middoth) des R. Ismael (מדות דרי ישמעאל). Mit Hilfe dieser Regeln hat er bei seinen mehr als kärglichen philologischen Kenntnissen mehrere Schlosse gezogen, die gradezu lächerlich klingen. Mehrere Be- Stimmungen des Talmud hat er ganz ohne Aenderungen oder not kleinen Abweichungen übernommen und sie als obligatorisch und unabänderlich erklärt; die Bestimmungen werden von den Karäem ״die erbliche Last“ (סכל הירושה) genannt. Dazu kommt, dass er offenbar mit Absicht Sprache und Stil des Talmud nachahmt. So konnte denn ein Gaon des IX. Jahrhunderts mit Recht sagen, der Schismatiker habe seinen Anhängern einen neuen Talmud versprochen, habe aber nur eine misslängen» Nachahmung des alten gegeben. II. Da seine Sekte, wie erwähnt, aus den Anhängern der frfiheren Sekten (Sadduzäer, Isawiten, Schädhahiteh und Judhaniten) zusammengeflossen war, musste Anan in sein Gesetzbuch viele Prinzipien und Bestimmungen aufnehmen, die den früheren Häretikern entlehnt waren. Es steht jetzt fest, dass er vieles von den Sadduzäern und Boetusäerh übernommen, deren Reste noch um seine Zeit lebten. Auf sie gehen z. B. zurück die

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