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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 602

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 602 (sequence 78)
Language
German
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602 Eine ungerechte Beschuldigung usw. In ״Mischne Tora״ (Hilchot Jesode Tora V, S) schreibt Maimonides: Alles Gesagte [dass die meisten Gebote, wenn es um die Rettung des Lebens geht, übertreten werden dürfen] gilt nur, wenn keine allgemeine Religionsverfolgung stattfindet. Aber wenn zur Zeit einer Religionsverfolgung' ein frevelhafter König wie Nebukadnezar u. ä. befehlen würde, dass Israel sein Gesetz verlasse oder auch nur ein einzelnes Gebot übertrete, so muss man sich eher töten lassen, als ein Gebot zu übertreten . . .״ Es ist undenkbar, dass ein Mahn diese Worte als bindende Norm niederschreibt, der selbst dagegen verstossen hätte, ohne dass er selbst sein gegenteiliges Verhalten reuig erwähnt oder irgendwie entschuldigt hätte, oder dass seine zahlreichen Gegner es ihm vorgeworfen hätten. 2) Beim Kampfe um den ״More Nebuchim״ wurden die Ansichten Maimunis aufs heftigste angegriffen. Nirgends wird eher als Beweis für mangelnde Glaubensstärke auch nur angedeutet, er hätte in den Tagen der Gefahr seinen Glauben verraten 1). 3) Der arabische Arzt Abdallatif, der mit Maimonides per- -sönlich bekannt war, urteilt in seiner Selbstbiographie (bei Ihn Ali Osaibia ed. A. Müller II, 205) sehr scharf über den ״More Nebuchim״. Er nennt das Werk ״ein verderbliches Buch, geeignet die Religionsdogmen umzustürzen durch die Mittel, die bestimmt scheinen, dieselben zu festigen״. Abdallatif lebte mit Unterbrech ungen seit 1190 in Kahira. Wenn die Erzählung Alkiftis über die Anklage gegen Maimuni wegen Uebertritt zum Islam und Rückfall zum Judentum wahr wäre, so hätte Abdallatif *) Das zweite Argument Berliners findet sich bereits bei Munk a. a. O. Doch glaubt Munk, dass die Zwangsübertritte so aUgemem und so äusserlich waren, dass sie gar nicht als Vorwurf gelten konnten. Doch ist . dieses nicht richtig. Tatsächlich wendet sich Iggeret Haschemad gerade gegen diesen Vorwurf, der ganzen Gemeinden gemacht wurde. Selbst wenn die Juden der islamischen Länder den Kryptomohamedanismus leichter beurteilt hätten, so hätten die süd-und nordfranzösischen Gegner Maimonis es nicht unterlassen, einen Zwangs- Übertritt als. Beweis der Glaubenschwäche des von ihneh so scharf An- :gegriffenen hervorzuheben.

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