Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 584 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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584 Eine Metaphysik des Pentateuch bracht sind. Doch was frommt uns, wie schon erwähnt, die Geschlossenheit des Systems, wenn sie uns in neue Schwierigkeiten und Probleme stürzt und dies, wie energisch unterstrichen werden muss, auch dort, wo wir von der ״theologischen“ Betrachtnngsweise ganz absehen. Was aber die Lektüre dieses Buches dem jüdischen religiösen Leser verleidet, ist die Ueberheblichkeit, mit der auf die ״pathetische Auffassung“ des Pentateuchs herabgesehen wird. Und wenn G. aus seinem System heraus den reinen Monotheismus der Propheten und Psalmen als einen Abfall oder gar eine Entartung des einzig und allein wahren dynamisch-mechanischen Monotheismus des Pentateuchs, den er verkündet, betrachtet sehen will, so wollen wir dies wie vieles andere damit entschuldigen, dass er von seiner Idee besessen ist. Unverzeihlieh aber ist, wie er von Salomo spricht, nur weil er das Tempelgebet, diesen erhabenen Ausdruck eines universalen Monotheismus verfasst hat. Doch trotz dieser grossen Bedenken: ein Buch, das tausende von Stellen der Bibel behandelt, kann nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Wer die Geduld und die Mühe nicht scheut, sich durch dies schwierige und höchst wunderliche Buch hindurchzuarbeiten, wird duch manche überraschende Erklärung einer Bibelstelle belohnt werden, die er annehmen kann, auch ohne das gesamte System sich zu eigen zu machen. Dass wir aber selbst der Mühe uns unterzogen haben und von allem den Leser dieser Blätter mit dem Ziele des Verfassers bekannt zu machen suchten, ist nicht nur in diesem Umstände gegründet, auch nicht in der zu Anfang erwähnten Bücksicht auf den Autor, der hier das Resultat einer ganzen Lebensarbeit gilt. Vielmehr in der folgenden Erwägung: Wo immer ״wissenschaftliche Arbeit“ an unserem Pentateuch geleistet wird, da geht sie von der Voraussetzung aus, dass es sich in ihm um primitive Formen menschlichen Denkens und Fühlens handelt, die Erzählungen Fabeln und Mythologie, die Gesetze Reste totemistischer Vorstellungen und abergläubischer Bräuche sind. Und die Form, in der uns die Thora überliefert, ist eine