Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 574 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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574 Eine Metaphysik des Pentateuch Aber ebenso das Volk für den Gott. Gott und Volk stehen in Wechsel- Wirkung* miteinander, das Volk braucht den Gott, aber genau so braucht der Gott das Volk. Der ganze Umkreis dieses Verhältnisses ist die M y - thologie des betretenden Volkes, die nicht etwa eine Sammlung ethnologischer Phantasien, eine Altertumswissenschaft ist, sondern die Lehre vom tatsächlichen Bestehen einer metaphysischen Volks- Wirklichkeit und einer vom Volkskörper getrennt vorhandenen metaphysischen Volkskraft, dem biologischen Zentrum oder dem Gott1). In gleicher Weise gibt er eine metaphysische Verbindung zwischen Gott und Land. Was speziell die Metaphysik der Hebräer betrifft, so ist zwischen dem J..we Echad und dem J.we Elokim2) zu unterscheiden, indem J..we eine Doppelbedeutung hat, die in der Weltkonstruktion gegründet ist. J..we Echad d. h. J..we der Eine ist J.we als der vorweltliche Gott, während J.we mit der Apposition des Monopluralausdrucks Elokim (d. h. J.we, sofern er ein Elokim ist) den vorweltlichen Gott bedeutet, sofern er sich in die Welt, und zwar in den endlichen Teil der letzteren, hineinbegibt. Begibt sich aber der vor weltliche Gott in die endliche Wirklichkeit, so miterliegt er mit bestimmten Ausnahmen (die Vf. ausführlich später bespricht) denselben Gesetzen wie die anderen Elohim. Der Elokim-J..we reicht nun einerseits mit einem Teil seines Wesens in die Unendlichkeit mit einem anderen Teil in die Endlichkeit^ Die Wirksamkeit dieser letzteren zweiten Seite seines Wesens ist allein der Untersuchung zugänglich. Auch als solcher (nicht als reiner J.we, sondern als Elokim- J.we) nimmt er eine besondere Stellung ein. Während für die anderen Völker ihre Götter Abstammungszentren sind, lässt sich von E10kirn- J..we, da er aus der vorweltlichen Sphäre und der unendlichen Wirklichkeit herkommt, nicht abstammen, das Verhältnis Israels zu ihm beruht daher auf einem Wahlakt. Es ist somit streng zwischen den Hebräern vor und denen nach Abraham zu unterscheiden. Das Volk Israel ist eine Neugründung, für die biologisch etwas anderes gilt als für das altbestehende Volk der Hebräer. An dem «historisch״ fundierten Volke hatten, da die Hebräer wie jedes Volk physiologisch abstammen, noch eine Reihe von anderen Elohim x) Dieser Gedanke ist in' der oben erwähnten Schrift des Interpreten von Goldberg Erich Ungar «Das Problem der mystischen Realität“ durch eine Fülle von Analogiebeweisen S. 10—20 dem Verständnis näher gebracht. 2) Wir brauchen für die Namen, die *wir bekanntlich überhaupt nicht oder bei profaner Lektüre nicht aussprechen diese üblichen Ab- Änderungen.