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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 566 (sequence 42)
Language
German
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566 Parallelen zur Sagenkunde keit mannigfacher Sitten und Gebräuche. Es ist bekanntlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass man dem zum Tode Verurteilten ־vor der Execution einen letzten Wunsch gestattet. Die sogenannte ״Henkersmahlzeit“ ־wird scherzhaft schon im 17—18 Jahrh. eine ״Mahlzeit vor irgend einem unangenehmen Ereignis“ genannt, ursprünglich im 16—17 Jahrhundert hiess sie ״letzte vom Henker selbst besorgte Mahlzeit eines Verurteilten, dessen Wünsche bezüglich des Essens dabei befolgt wurden 24). In der talmudischen Zeit begegnen ־wir einer ähnlichen] Auffassung. In Gittin 1wird von R. Lakisch erzählt: R. Lakisch verkaufte sich den Lyddern — von denen die Kunde ging, dass sie Menschenfresser seien — und nahm einen Sack mit sich, in dem er einen Stein verborgen hatte. ... ״ ריש לקיש זכין נפשיה ללודאי שקל בהדי חייתא וגלגלתאR. Lakisch dachte bei sich, ־wir wissen, dass jene am letzten Tage (vor der Tötung) dem Verurteilten alles erfüllen, was er von ihnen verlangt, damit er ihnen vergebe, dass sie sein Blut vergiessen. Am ״letzten Tage“ sagten nun die Lydder zu R. Lakisch, welches ist dein Wunsch. Da sagte er zu ihnen: ich will euch binden und hinlegen und jedem einzelnen von euch wiH ich einen ganzen und einen halben Schlag geben“ 25). Nun wird erzählt, dass die Lydder diesen letzten Wunsch des zum Tode bestimmten Lakisch erfüllten und so band er sie und erschlug sie und rettete sich selbst hierdurch vor dem Tode. Tosaphots5a) bemerken zur Stelle, dass diese Tat des R. Lakisch in der Zeit anzusetzen sei, in der Lakisch selbst noch ein Räuberleben führte; denn in dieser Art hätte R. Lakisch sich nicht aufgeführt, nachdem er sich dem ״Lernen und Lehren“ zugewandt habe. Abgesehen davon, dass dieser Brauch den ״letzten Wunsch“ zu erf&Uen, nicht bei den Juden, sondern bei den Lyddern heimisch war, ist das Motiv hier völlig anders als bei der ״Henkersmahlzeit“. Die Lydder glaubten durch die Erfüllung **) F. Eloge: Ethymologisches WÖrterbach der deutelten Sprache 10s Aull. S. 214. 2*I Traktat Gittin 47 a. “•) Tosaph. ibid. ד״ה ר״ל.

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