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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 565

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 565 (sequence 41)
Language
German
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Parallelen zur Sagenkunde 565 solle ich in meines Vaters Hans mitnehmen, für mich gibt es nichts Besseres auf der Welt als Dich. Als sie darauf nochmals zu R. Simon gingen — und ihm alles erzählten — betete R. Simon für sie zu Gtt und Gtt erhörte sein Gebet und bedachte sie — mit Kindersegen. — Trägt diese Erzählung des Midrasch nicht die charakteristischen Züge der Frauentreue in sich, und ist diese Geschichte nicht sichtlich aus dem Leben gegriffen? Aber ein Stück jüdischen Lebens spielt sich hier ab, weil der Mann nur aus Gewissensnot — da ihr Kindersegen versagt blieb — den Entschluss fasste, sich von seinem Weibe zu trennen und dann doch durch die rührende Treue dieses Weibes sich bestimmen liess, nicht von ihr zu lassen, und Gtt diese Liebe und Treue mit Kindern lohnte. Es ist gewiss müssig zu erwägen, ob der Erzähler der ״Weiber von Weinsberg״ aus dieser Quelle des Midrasch geschöpft hat, da kein innerer Zusammenhang darauf hinweist und ebenso wenig ist nachzuweisen, dass die Geschichte der Weiber von Weinsberg litterarisch von der Erzählung des Midrasch irgendwie beeinflusst worden wäre 22). Aber festzustellen ist doch, dass dieses Bild der Frauentreue, die in dem Manne das Liebste auf Erden sieht, zuerst in dieser Welt des Midrasch «ich findet und dieser das Recht der Priorität für sich in Anspruch nehmen kann. Und man kann mit vollem Recht behaupten, dass diese jüdische Frau aus Sidon mindestens ebenso sehr gerühmt zu werden verdient wie die berühmten Weiber won Weinsberg 22a). M. Gaster erzählt, dass ein ähnlicher Zug der Liebe bei einer Frau ״das was ihr am liebsten wäre, aus dem Palaste mitnehmen zu dürfen״ sich in den Volksmärchen der Serben finde23). Auch im Volksleben finden wir Aehnlich- 22J vgl. Weller a. a. 0. 228י) Nach Beendigung dieses Aufsatzes fand ich, dass auch M. Gaster diesen Vergleich behandelt hat: M. Gaster: Zur Quellenkunde deutscher Sagen und Märchen in Germania Vierteljahrschrift der deutschen Altertumskünde 25. Jahrg. N. R. 18 Jahrg. Wien 1880. 23) ibid. Volksmärchen der Serben von Wuk Stephanoritsch Karadschitsch. Berlin 1854 S. 161.

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