Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 561 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Parallelen zur Sagenkunde 561 Und weiter folgert der Talmud aus den Worten des nachfolgenden Verses: ״ (12וילך אתה אישה הלוך ובכה אחריה עד בחודיםUnd es ging mit ihr ihr Mann, fort und fort weinend hinter ihr her bis Bachurim“ — ״ (13 שנעשה לד. כאישהdass Palti sie wie ihr eigener Mann behandelt habe und doch seien sie beide unberührt geblieben wie unschuldsvolle Jünglinge*. (14 בחורים שנעשו שניהם כבחורים שלא טעמו טעם ביאה und hätten ihre Unschuld vor einander rein bewahrt. Es zeugt von der Höhe sittlichen Empfindens, wie der Talmud hier den Namen Palti deutet und sein wahres Heldentum in dem Namen ״Palti-El“ charakterisiert findet. Hier kann man sagen, wenn Israels Männer das Schwert in die Hand nahmen, galt es nur, um die Reinheit und Heiligung des Lebens zu schützen. Diese Lebensheiligung verleiht dem Namen und der Persönlichkeit des Helden den echten Adel, den Gttesadel. Palti weiss, dass Michal ihm nicht angehören darf, dass sie eines anderen Weib und doch וילך אתה אישה geleitet er sie wie ״ihr Mann* und Beschützer. So finden wir das Ürmotiv im Talmud — das Schwert zwischen Mann und Weib gelegt als mahnendes Symbol des anderen Ehre und Unschuld zu hüten und zu wahren. Wir könnten dieses Motiv als Wandermotiv bezeichnen, weil es ausser im Talmud auch in der germanischen Siegfriedsage und in dem Volksmärchen ״Die zwei Brüder“ sich wiederfindet. Eine Einwirkung der talmudischen Anschauung auf die Vorstellung der germanischen Welt lässt sich jedenfalls nicht nachweisen, aber bedeutsam bleibt dennoch, dass dieses Schwertmotiv als Hüter der Reinheit zuerst im Talmud auftritt und als Originalmotiy gewertet werden muss. Denn selbst wenn die Siegfried-Brunhilde Sage der Edda als nordische Dichtung auf einer deutschen Form beruhen sollte, die vier Jahrhunderte älter als das Nibelungenlied wäre15) und wenn auch andererseits eine Urkunde des Erzbischof Bardo von Mainz aus dem Jahre 1043 12) Sam. Cap. S V. 16. י ■ ־ " ■ 18) Sanhedrin 19 b 14) Ibidim. 16) W. Braune Branhildenbett in Beiträge zar Geschichte der deutschen Literatur von Eduard Silvers Halle 1898 Bd. 28 S. 246.