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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 558

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 558 (sequence 34)
Language
German
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558 Parallelen zur Sagenkunde ln der Ariadne-Sage kehrt die Form der Uebergabe des Knäuels Faden zumeist nach der späteren Fassung wieder, so bei Catull. 64. 113, Ovid fast. 3,462, Propert. 3. 14. Nach einer früheren Ueberlieferung bot Ariadne Theseus den strahlenden Kranz, der ihm das Labyrinth erhellte, gewöhnlich heisst es, Ariadne habe das Knäuel von Daidalos empfangen. Die Knäuel-Uebergabe befindet sich auch bildlich auf einem Belief zu Pest (Beinach Bep. de rel. 2.118) und auf einem Tonmedaillon aus Vienne sowie auf einem Wandgemälde zu Pompeji (Daremberg und Saglio 2 S. 6, B. Holland: Die Sage von Daidalos und Ikaros S. 27). Vor Pherekydes (fragmenta. hist, graec. I. 97. 106) gibt es keinen literarischen Beleg für den Ariadnefaden. Pherekydes lässt das Knäuel an der Tür befestigen4), um dort den Ausgang wieder zu gewinnen. Somit würde sich für die Bettung aus dem Labyrinth und für die Befestigung des Fadens an der Türe völlige Uebereinstimmung mit der Darstellung des Midrasch ergeben, desgl. in der Errichtung des Bauwerks selbst des Labyrinths, nur kennt der Midrasch die sagenhaften Züge vom Bewohnen durch das Ungeheuer, von Ariadne und Theseus nicht, doch diese Züge sind leicht als äussere Aus- Schmückung zu erkennen, die in die Schilderung der Wirklichkeit, wie sie hier der Midrasch darstellt, nicht hineinpassen. Das Labyrinth ist im Midrasch פלטין גדולה ein grosser Palast, dessen Eigentümlichkeit eben m seinen zahllosen Bäumen, Türen und Gängen bestand, während die griechische Sage ein eigenes Wort Labyrinth hierfür geprägt hat, das durch die zahlreichen Irrgänge sein charakteristisches Merkmal erhält. Besonders überrascht, dass auch die nordische germanische Heldensage mit dem Gedankenkreis des Talmud sich enge berührt. Zu den schönsten Sagen der germanischen Welt gehört die Siegfriedsage, in der das Ideal des Helden seinen tiefsten Ausdruck gefunden hat. Nur eine Episode aus dieser Sage sei hier erwähnt. Siegfried sprengt auf seinem Bosse Grani mitten durch das Feuer, das die Burg Brunhildes ״Hindurfjall* umlodert und er- 4) Robert Arch. Gesch. Berlin März 1889, siehe Griech. Mythologie u. Religionsgesch. I S. 603 Anm. 7. Roscher: Lexicon Bd. 5, 697/98 und Oskar Wulff zur Theseussage Dias. Dorpat S. 161/68.

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