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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 556

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 556 (sequence 32)
Language
German
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556 Parallelen zur Sagenkunde Parallelen zur Sagenkunde aus Talmud und Midrasch. Von Rabb. Dr. David Wmter, Lübeck. Am tiefsten spiegelt sich Sehnen und Hoffen einer Zeit in ihrer Dichtung und Sagenwelt wieder, in der die geheimen und verschwiegenen Träume der Menschenseele zu wirklichen Gestalten und Erlebnissen sich formen. Nur wenige ahnen, wie viele verwandte Zöge sich in Sage und Dichtung aller Völker und Zeiten finden, wie viele Elemente dieser schöngeistigen Welt ursprünglich nicht der Antike oder der mittelalterlichen Geisteskultur angehören. Ueberraschend ist oft die Aehnlichkeit mancher Volkssagen nachzuweisen; nicht immer gelingt es die erste Quelle aufzufinden und die originale Form festzustellen. Einige der schönsten Erzählungen der alten und mittelalterliehen Welt erinnern in Anlage und Ausführung an den jüdischen Gedankenkreis, mögen sie nun in ihrer ersten originalen Form ihm entstammen oder jede einzeln unabhängig von der andern im eigenen Volkskreise wurzeln. Talmud und Midrasch bergen Schätze, die abseits vom Bildungsgang unserer Zeit noch der Erschliessung harren. Nur einige Parallelen seien hier aufgedeckt. Wer kennt nicht die Sage vom ״Labyrinth*, jenem Bauwerk mit den engverschlungenen Gängen, den hunderten Kammern und Türen, aus denen kein Weg mehr ins Freie führt. Wer sich einmal hier verirrt, kann den Ausgang nicht wieder finden. Von Daidalos auf Kreta erbaut, diente es dem Minotauros als Aufenthaltsort, dem hier Jahr für Jahr Athens Jünglinge und Jungfrauen zum Frasse vorgeworfen wurden, bis endlich Theseus ihn mit seinem Schwert getötet und durch den Faden Ariadnes den Ausgang wiederfand. Das Labyrinth (Aaßoptv&oe) ist nach Diod. (1, 61 u. 97) nach dem Muster des uralten ägyptischen Labyrinths am Mörissee zu Knossos auf Kreta erbaut worden. Nach Plinias habe Daidalos nur den hundertsten Teil des ägyptischen auf Kreta nachgebildet.

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