Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 554 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Das Trennungsprinzip usw. Kann es nun aber eine eindrucksvollere Ermutigung geben, als das Mitraten und Mithelfen bei der Arbeit an der Förderung von Kultusgemeinden תורה-widrigen Charakters. Das geschieht ja übrigens während der Beratung also בשעת מעשה. Man bedenke dagegen, wie viele תקנות gemacht wurden להוציא מלבן של צדוקים. Am Schwersten aber wiegt das erzieherische Moment, die seelische Wirkung auf die breiten Massen und auf die kommenden Generationen. Nach ihren ersten Sturmjahren hat die Neologie darauf verzichten müssen, die gesamte Judenheit mit einem Schlage zu erobern. Sie begnügt sich für jetzt und die nächste Zeit mit allmählicher Erringung des Heimatrechtes im Judentum. Namhafte Vertreter des Liberalismus weisen auf die geschiehtliehe Rechtfertigung hin, die der Liberalismus erhofft und die ihn als bodenständiges Judentum sanktionieren soll. Dass das System der Doppel gemeinde hierzu hervorragend geeignet ist, kann man wohl nicht bestreiten. Worin denn kann die Anerkennung bestehen, wenn nicht darin, dass die in der jüdischen Gemeinde zusammengeschlossene jüdische Gesamtheit Träger des Liberalismus ist? Kann das auf die zumeist urteilsunlustigen Massen anders wirken denn als Anerkennung gleichberechtigter Richtung im Judentum? Nun erst das in jüngster Zeit so entwickelte Verbands wesen mit seinen ״zwei religiösen Aus- Schüssen״. Das wirkt sich aus, freilich gegen den Willen der Gesetzestreuen, als Erziehung des jüdischen Volkes zur Lehre der שני תורות, die von unseren Weisen ז״ל stets als das grösste nationale Unglück כיום שנעשה בו העגל angesehen wurde und gegen die die תורה das Gesetz des זקן ממרא geschaffen hat. Seit dem ersten Auftreten unserer Frage sind fünf Jahrzehnte vergangen. Es bedarf heute keiner theoretischen Voraussagen. Es liegen Erfahrungstatsachen vor. In dem System der ״beiden Richtungen“ fand und findet die Lehre von einem neutralen Judentum seine stärkste Stütze. Denn Tatsachen schaffen sich ihre Ideologie. Es bedarf nicht erst mühevoller Umfragen, um festzustellen, dass sehr weite Kreise der deutschen Judenheit, auch gesetzestreue, in der unklaren Vorstellung eines. farblosen Judentums leben