Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 535 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Tat *35 daher in der Welt nur in der Form des Willens. Und wenn Gott dem Menschen den Willen zum Guten und zum Bösen gab, so widerspricht dies dem Wesen Gottes nicht. Denn die Existenz des Willens zum Guten setzt die Existenz des Willens zum Bösen voraus. Das ״Böse“ erzeugt aus sich heraus das Gute. Weil im Menschen der Wille zum Bösen lebt, kann er gut sein. Und nur deshalb. Erst durch die Ueber- Windung des Bösen wird das Gute zum Leben erweckt. Wie das Materielle das Vorstadium zum Geistigen, so ist das Böse das Vorstadium des Guten. Wenn also Gott das Böse schuf, er schuf es nur des Guten wegen; er musste es schaffen, damit das Gute erstehe. Das Gute ist das Resultat, die Frucht des menschlichen Kampfes mit dem Bösen. Das Böse existiert in Wirklichkeit (in absoluter Form) nicht; denn sein ganzes Wesen kann jederzeit verschwinden unter der Hand des Menschen, der es zu Gutem gestaltet. Der Mensch schafft 80 viele Werte des Guten, wie oft er mit dem Bösen, Materiellen ׳ 4׳ zu kämpfen hat. Daher verlangt das jüdische Gesetz Taten und immer wieder Taten. Jede Tat weckt neue Energieen. E s darf kein Ruhen, kein Versagen geben; denn sonst würde das Böse, Materielle mehr und mehr an Boden gewinnen. Nur der Mensch kann gut handeln, der auch schlecht handeln kann. Diese Formulierung erweckt Bedenken; denn wenn es auch richtig ist, dass bei vielen Menschen die gute Tat erst nach einem langen Kampfe reift, dass also in diesen fallen das Böse ein sine qua non, eine Naturnotwendigkeit für die Höherentwicklung des Menschen bedeutet, so scheint doch in den ethisch hochstehenden Menschen, die das Gute offenbar kampflos tun, das Gute als eine vom Bösen selbstständige Kraft zu leben. Aber dem ist nicht so. Auch in diesen Menschen ist das Gute erst geboren worden im Kampfe mit dem Bösen. Besser gesagt: das Böse gestaltete sich — durch seine Ueberwindung — zu Gutem. Nur liegt dieser Kampf so-