Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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634 Die religiöse Tat denn die qualitativ und quantitativ höchste Potenz des Bösen, das Absolut-Böse. Im Menschen lebt tatsächlich nur ein Trieb; Genesis 8,21 sagt auch ausdrücklich יצר לב האדם, nicht ״der eine Trieb des Menschen״, sondern ״d e r Trieb des Menschen ist böse“. Das ist sein naturhafter Zustand. Und des Menschen Aufgabe ist das Böse durch das Gute zu überwinden. 18. Aber was verstehen wir unter diesem ״Bösen“? Existiert es überhaupt? In den Handlungen der Menschen, objektiv genommen, offenbar nicht. Denn es gibt keine menschlische Tat, die (objektiv betrachtet d. h. gleichgültig, wer die Subjekte und welches ihre Beweggtünde waren) unter allen Umständen als eine schlechte zu bezeichnen ist. Die ethische Bewertung einer Handlung hängt von dem Beweggrund der handelnden Person ab. Auch eine sogenannte schlechte Handlung muss wohl als ethisch gut bewertet werden, wenn die Beweggründe gut waren, wenn sie der menschlichen Absicht eine autonome oder heteronome Forderung zu erfüllen entsprungen sind. Ein und dieselbe Handlung kann ethisch-gut und ethisch-schlecht sein, je nach dem Beweggrund der bandelnden Person. Ebenso existiert in den Handlungen Gottes das Böse nicht;, und zwar selbstverständlich auch nicht subjektiv. Alle seine Handlungen sind absolut gut], auch wenn sie dem menschlischen Auge manchmal als schlecht erscheinen. Denn Gott verbindet mit allen seinen Handlungen die absolut-edelsten Ziele, z. B. durch Leid den Menschen zu der Fähigkeit heranreifen zu lassen, das Materielle innerlich zu überwinden. Eine Handlung ist also religiös-negativ, wenn der Willezum Schlechten sie erzeugt hat16). Das Böse existiert 1<) Welche Rolle dabei das geistige (rationelle) Erfassen-- der religiösen Verpflichtung, das Wissen vom Guten spielt,. Wird später erörtert werden.