Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 533 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die religiöse Tat 533 17. Diese psycho-physische Wechselwirkung also hat das jüdische Religionsgesetz in intensivster Weise für seine Erziehungszwecke nutzbar gemacht. Indem der Mensch seine äusseren Kräfte — die Materie in sich und um sich — nach dem Plane des Gesetzes in den Dienst seiner Seelenkultur stellt, gelingt ihm gleichzeitig, die Welt der Materie zu einer geistigen Welt zu gestalten. Mit anderen Worten: Die Gestaltung der materiellen Welt zu einer geistigen erfordert zuvor, aber mindestens gleichzeitig, in ihm selbst eine Ueberwindung der materiellen Kräfte, ihre Verflüchtigung in ideelle. Primär lebt im Menschen, da er Materie ist, die naturhafte Anlage dem Materiellen zu dienen. (Für diesen Zustand hat die Spräche der Menschen verschiedene Bezeichnungen geprägt: Sinnlichkeit, Triebleben, Trieb des Bösen, das Böse schlechthin.) Das ist die eigentliche den Menschen naturhaft beherrschende Kraft ״von Jugend auf“ כי יצר לב האדם רע מנעוריו, so lange nicht der Mensch bewusst dagegen arbeitet. Wenn auch der jüdische Sprachgeist die Begriffe יצר הרע und ״ יצר הטובden Trieb des Bösen“ und ״des Guten“ (die Uebersetzung ״der böse Trieb, der gute Trieb“ ist gedanklich und grammatisch unberechtigt) kennt, so darf daraus wohl nicht gefolgert werden, dass nach der Auffassung des Judentums in der Seele der Menschen zwei entgegengesetzte, einander sich ausschHessen de Triebe wohnen. Damit wäre ja der Glaube an die Existenz des ״Absolut-Bösen“ gegegeben, der unserem Gottesbegriffe widerspricht. Denn verstehen wir unter dem Absolut-Bösen eine Macht neben Gott, so ist damit die Allmacht bzw. die Einheit Gottes geleugnet; verstehen wir aber darunter eine aus der Schöpferhand Gottes hervorgegangene Macht (ebenso wie das ״Gute“), so ist damit Gott als der Absolut-Gute geleugnet; kann doch der Absolut- Gute keine einzelne böse Kraft oder Tat schaffen, geschweige