Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Tat 531 16. Grosse mächtige Erziehungs-Kräfte־ ־wirken im jüdischen Religionsgesetz. Sie können ebensowenig wie das Wesen des Schöpfers selbst von dem Menschen einer Analyse unterworfen werden; aber wir dürfen versuchen uns klar zu machen, welche Kräfte wir darin wirken sehen. Psychophysische Wechselwirkung, das Ineinanderleben von Leib und Seele ist die Grundlage, auf der der jüdische Gesetzgeber sein grosses Erziehungswerk aufbaut. Tiefe, geheimnisvolle Fäden sind es, die die menschliche Welt des Geistes mit der menschlichen Welt der Materie verbinden, die die Möglichkeit dem Erzieher geben, durch äussere, sinnliche Mittel auf die (übersinnliche) Innenwelt des Menschen erzieherisch zu wirken. Täglich, stündlich erlebt der Mensch an sich selbst diese tiefen Zusammenhänge zwischen Leib und Seele; ja, man darf sagen, diese geheimen Beziehungen sind es erst, die im Menschen die Einheit, Harmonie hersteilen zwischen den beiden grossen im Menschen a priori gegeneinander wirkenden Kräften: Leib, Seele. Was in der Seele eines Menschen vorgeht, drückt sich, soweit nicht ein besonderer Willensakt dagegen wirkt (z.,B. der Wille, sich nach Aussen hin zu beherrschen), unwillkürlich in seinem äusseren Verhalten aus. Das Kind klatscht in die Hände im Uebermass der Freude. Der Erwachsene, für den das Telefonieren noch nicht Lebensgewohnheit ist, 'macht am Femsprechapparat dieselben höflichen Verbeugungen, wie in Gegenwart des Angesprochenen. Die meisten Menschen haben bei tiefer innerer Erregung das Bedürfnis zu sprechen, sogar dann, wenn niemand zugegen ist. Kurz, jede Aenderung im Zastand des Innenlebens drängt unwillkürlich zu einer analogen äusseren Ausdrucksform.