Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die religiöse Tat 529 wahres Wesen kennt. Daher erwirbt nur der, der geistig erwirbt; der glaubt, dass Gott gibt; der erwerben will, wie Gott gibt. Nur der meistert die Welt, der in den Geistesspuren des Weltenmeisters wandelt. Materie wird nicht erworben durch materielle Kraft; denn ihr wahres Leben, ihre unvergängliche Existenz liegt in ihrem geistigen, seelischen Kern. Sterben heisst nicht: die Seele verlässt den Körper, sondern: der Körper verlässt sich selbst, und wird Geist, Seele. Ein schöner Glaube lebt in der Welt der Chassidim. Israel das Höhenvolk, vierzig Jahre lang in der Wüste zu Untätigkeit verdammt?! Nimmermehr. Ueberall in der Welt glühen göttliehe Funken — und Gottes Funken glühen ewig — doch sie sind gebunden, hier mehr, dort weniger; am stärksten in der Wüste, dem Symbol der höchsten Potenz der Materie. Gerade dort die göttlichen Funken zu suchen. — בחד ניצוצות — ist Israels hehre Aufgabe. Und diese Funken glimmen im Verborgenen, unter Schutt und Asche. Doch wer durch diese Materie hindurchdringt, entzündet leuchtende und wärmende Flamme. Sie verzehrt alles, was nicht Flamme ist, bis der letzte Rest des Materiellen Nahrung gab dem Feuer, aufgegangen ist im Geistigen. So bedeutet Weltenbrand ein Weltenwerden. 15. -Die Welt der Materie ist gegeben, auf dass sie eine Welt des Geistes werde. Dies zu erfüllen ist der Mensch berufen: er ist auf die Erde gesetzt, nicht um sie zu fliehen, sondern um ihren ״Boden zu bearbeiten“. Diese Arbeit am Boden der Erde ist aber gleichzeitig Arbeit des Menschen an sich selbst. Denn jede materielle Kraft in der Welt besitzt einen nach ihr strebenden Trieb im Menschen; hast du nun die materielle Welt vergeistigt, so sind deine sinnlichen Kräfte geistige Aufbaukräfte geworden.