Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 527 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Tat. 527 13. Die Stätte von Israels Jugendzeit war die Wüste. Dort, wo das Materiellste, was es auf Erden gibt, die tote Materie herrscht; dort, den unendlichen Wüstensand zu Füssen, das unendliche Wüstenzelt zu Häupten; dort, wo das tote Materielle schier ins Unendliche zu wachsen, durch nichts Lebendiges begrenzt, beschränkt zu sein scheint — wandert das vereinsamte Volk, vierzig Jahre . . . Dort träumt es seine Kinderträume. Es träumt von einem Gotte, der Materie ist; denn wie die Wüst» ohne Leben, so ihr Schöpfer. Es träumt von einem Gotte, der nicht mehr lebt; denn was er an Schöpfung darbietet, ist tot: die Wüste. Es träumt von einem neuen Gotte, der, aus mensch- * liehen Händen gestaltet, vor ihm herziehe: (Ex. 32,1) עשה לנו אלהים אשר ילכו לפנינו־. Doch ein furchtbares Erwachen! Vor seinen kindlich erschrockenen Augen steht die Riesengestalt des zürnenden Mose. Der Führer zürnt; denn sie leugnen, was sie täglich erleben: Wüstenhimmel gibt Speise, Wüstengestein spendet Trank. Und das sollte ja Wüstenoffenbarung sein: Gottes Kraft und des Menschen Glaube an sie lässt die Wüste zum Schöpfer neuen Lebens werden; tote Materie ist also selbst Leben. An diesem Glauben ist das Volk auch ein zweites Mal gescheitert. Ebenso drohte die geschlossene Grösse der Persönliehkeit des Führers zusammenzubrechen. Die selbstgewählte irdische Kraft, die Menschentat hatte dort Platz ergriffen, wo der heilige Wille des Glaubens an die Lebenskraft der gottgegebenen Materie Alleinherrscher hätte sein sollen: Sie schicken Kundschafter, er schlägt auf den Felsen. Wie Israels Erziehungs ־Wüstenwanderung, so versöhnt «uch des Führers Sterben. Dieses Sterben führt sein Lebenswerk zu fruchtbarem Abschluss. Hätte er das Land betreten dürfen, für alle Zeiten würde an seinem glänzenden Lebensbilde ■ein unklarer, dunkler Punkt haften: ״die Wasser des Hadems“.