Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 516 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Der Stern der Erlösung Die Offenbarung geschieht augenblicksverhaftet, daher das Wochenfest nur einen Tag währt; die Schöpfung ist das dauernde, die wie die Erlösung für die Ewigkeit gilt, daher das Tagessiebent der ihnen geltenden Feste. Das grossartigste, aller Unvollendet״ heit des Jetzt entrückte Ereignis des jüdischen Jahres, die wahren Tage der Erlösung sind aber der Rosch haschonoh und Jona-Kippur, die Tage des Weltgerichts und dei Sündenvergebung, Weihestunden, wo im gemeinsamen Kniefall die Anbetung Gottes durch die Allmenschheit vorausgenommen, wo ► alles Irdische überwunden, wo in den ״Schernaus“, in der Ausrufung des welteneinigen Gottes die Anerkennung des einzigen Gottes als Höhepunkt aller Weltenentwicklung vorgefühlt wird. Mit diesen wenigen Andeutungen aus der Fülle dieses Teils lassen wir es genug sein. Die Schilderung des Judentums ist allerdings, um in Rosenzweigs Begriffsbildungen zu bleiben, zu metajüdisch, es ist ein Judentum, darin Judenheit und Judentum identische Begriffe sind, wo Judesein nicht eine Aufgäbe, ein Ziel, sondern schöpfungsmässige, eingewachsene Eigenschaff zu sein scheint. Sie macht aus ״Zufälligkeiten“ bewusste Charaktermerkmale. Aus der ganz eigentlich erst der neuesten Zeit anhaftenden Diskrepanz zwischen der heiligen Sprache und der des Alltags, zwischen jüdischer Zeitrechnung und der bürgerlichen sollen Wesenszüge erschlossen werden. Die Weltferne und Weltvergessenheit des Judentums wird u. E. übertrieben. Aber das sind unbedeutende Einzelheiten. Tiefen Schmerz empfinden wir bei einzelnen Wendungen des Verfassers, wie ״Stammessage“ und ״Mythos“ die im Zwielicht ihrer faktischen und philosophischen Bedeutung gebraucht werden, oder wenn vom ״Dämmer der Urgeschichte“ im Gegensatz zum Lichte der Geschichte gesprochen wird. Denn was sonst Rosenzweig himmelhoch über seinen Lehrer Hermann Cohen und andere Forscher der Philosophie des Judentums emporhebt,'das ist die Tatsache, dass er die Lügenzunge sogenannter liberaler Theologen nicht nachspricht, dass er den aufklärerischen Dünkel nicht kennt vor dem jüdischen Gotte und der jüdischen Lehre, die Wahrheit sind und