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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 488

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 488 (sequence 44)
Language
German
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488 Die Bibel als Quelle usw. geübte Volkssitte und Vorzeit zurückgeht, wo das Volk Israel noch rein agrarischen Charakter hatte und die Sorge um das Wohlbefinden des Viehs Sitte und Lebensweise des Volks bestimmte. Wäre diese Annahme richtig und das »Y^n-Verbot demgemäss schon in vormosaischer Zeit im Volksbewusstsein verwurzelt — dann ist es unverständlich, wie Stammvater Abraham seinen Gästen, den drei Engeln, die er für Menschen hält, zumuten darf, dieses Volksverbot zu übertreten! Die Erzählung Genes. 18, 8 berichtet nämlich: ״Dann nahm er (Abraham) Butter und Milch und das junge Rind, das er zabereitet hatte, und setzte es ihnen vor; er selbst wartete ihnen auf unter dem Baume, während sie assen“. Es wird da allerdings nicht gesagt, dass Abraham die Milch mit dem Rind vorher zusammengekocht und so auf den Tisch gebracht habe, es wird auch nicht ausdrücklich gesagt, dass die Gäste es zusammengegessen haben. Immerhin muss doch Abraham, dies sagt uns der gesunde Menschenverstand, des Glaubens gewesen sein, da er es zusammen auf den Tisch brachte, dass die Gäste von allem auf den Tisch Gebrachten, und jwar zusammen essen würden! Dass Abraham Speisen verschiedener Art, die nicht zusammen genossen werden konnten, gleichzeitig auf den Tisch bringt und seinen Gästen anbietet, das widerstrebt der einfachen Menschenvernunft. Der naive, einfache Wort sinn des Textes spricht die Erwartung aus, dass die Gäste ohne Anstand den beiden Speisearten, der Milch und dem Fleische zugleich zusprechen würden. Ist aber בב״ח- Verbot ein uralter Volks- und Hirtenbraucb gewesen, wie Fr. annimmt, dann ist Abrahams Verhalten seinen Gästen gegenüber schwer zu rechtfertigen. Man setzt seinen Gästen nicht Speisen heterogener Art vor, deren Zusammengenuss nach der Volksmeinung jedem ein Abscheu ist! Wir glauben mit diesen Gründen zur Genüge erwiesen zu haben, dass beim 1r:w-Verbot kaum ein heidnischer Brauch oder eine heidnische Vorstellung oder Furcht vor sympathetischer Magie mitgewirkt hat, noch viel weniger, dass ein solcher Glaube durch das biblische Gesetz geradezu positiv sanktioniert und zur Institution erhoben wurde. Welches aber der wahre

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