Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 485 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bibel als Quelle usw. 485 sozusagen sanktioniert und verewigt hätte (ganz zu schweigen davon, dass die Jahrtausende alte jüdische Tradition, die das Verbot des Milchkochens an sich niemals kannte, dadurch zum Lügner gestempelt wäre) — gegen diese Auslegungen sträubt sich mit Recht jedes jüdische Empfinden, und es wird gut sein, einige zwingende Gegenargumente gegen diese neuesten Offenbarungen der Folkloristik ins Feld zu führen: 1. Die von Frazer beigebrachten Beispiele der Primitiven enthalten sämtliche ein Verbot des Milchkochens an sich in jeder Form, die Thoravorsehrift dagegen verbietet offenbar nur die Verbindung von Milch und Fleisch, nicht aber das Kochen der Milch allein (darauf macht schon Gressmann, wie ich nachträglich bemerkte, in seiner kurzen Kritik des Frazer’schen Werkes aufmerksam, s. Zeitschr. für alttest. Wissensch., 1924, p. 161). Läge nun, wie Fr. meint, dem Thoraverbot des Milch- Fleischkochens der Gedanke der sympathetischen Magie, d. b. des Mit-Leidens des getrennten Teils oder Gliedes mit dem Muttertiere zu Grunde — dann müsste auch jedes Kochen der Milch für sich verboten sein, da ja bei jedem Kochen des Sekrets, d. i. der Milch, auch die Mutter mit-leidet. Nirgends aber heisst es in der Bibel: Du sollst keine Milch kochen! 2. Dasselbe Verbot des Zusammenkochens von Fleisch mit Milch (schon diese Reihenfolge der Thora, erst Fleisch, dann Milch, ist ein Fingerzeig gegen Fr.’s Deduktion) steht in Deut. 14,21 wiederholt, dort aber unmittelbar in einem Vers in andrem Zusammenhang, nämlich mit dem N ewela-Verbot, dem Verbot des Genusses von Gefallenem. Würde nun, wie Fr. meint, es sich in erster Reihe und vornehmlich um ein Verbot des Kochens von Milch mit Fleisch handeln (denn nur beim Kochen empfindet das Muttertier einen Schmerz, nicht beim Essen), und nur erst sekundär um ein Speiseverbot, dann wäre die Stellung des n״D3־Verbots neben den verbotenen Tieren und unmittelbar beim Newela-Verbot, bei denen doch nur ein Verbot des Fleischgenusses in Frage kommt, unverständlich. (Dieses Argument des sinnverwandten Zusammenhangs macht schon Hoffmann in seinem Kommentar zu Deut.,