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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 484

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 484 (sequence 40)
Language
German
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484 Die Bibel als Quelle usw. Suks und den Nandi in Britisch-Ostafrika findet, die nicht einmal am selben Tage Milch und Fleisch essen. Frazer ist seiner Entdeckung des Motivs der sympathetischen Magie so sicher, dass er daraus die kühnsten Konsequenzen zieht: Bekanntlich gehört es seit Wellhausen (nach ihm Budde, eigentlich schon seit Goethe) zu den Glaubensartikeln der Bibelkritik, dass Ex. cap. 34,14 - 26 den Dekalog in seiner ursprünglichen Gestalt darstelle, wozu dann auch das Verbot des Milchkochens mit dem Fleische des Böckchens als zehntes des Zehngebots gehören würde (so teilt die Verse auch Kautzsch z. St. ein). Allerdings enthält dieser neue Dekalog dann nur Vorschriften kultischer Art, es fehlten darin alle ethischen Gesetze, es fehlen dort das Verbot der Sabbatruhe, des Mordens, Stehlens, Falschschwörens, des Gelüstens, das Gebot der Eltern- Verehrung, kurz, der ethische Teil unsres Dekalogs. Dieses Fehlen erklären die Kritiker so, dass dieser Abschnitt die ältere, ursprünglich agrikulturelle und kultische Gesetzgebung des Dekalogs darstelle, wo nur agrikulturelle und kultuelle, für die damalige Kulturstufe eines Nomaden- und Hirtenvolkes passende Bestimmungen, mit Ausscheidung alles Ethischen, Aufnähme gefunden hätten. Nun begründet Frazer mit seiner neugefundenen Motivierung das Fehlen der Verbote des Stehlens, Mordens, Gelüstens usw. damit, dass für ein Hirtenvolk, wie es das Volk Israel damals gewesen, das Kochen der Muttermilch mit dem Böckchenfieisch als ein weit schlimmeres Vergehen angesehen wurde und wichtiger sei als Nichtstehlen und Morden, denn diese Verbote betreffen nur Einzelpersonen, während das Muttermilchkochen die Existenz des ganzen Stammes bedrohe und ihre Hauptnabrungsquelle in Frage stelle (it threatens the existence of the whole tribe by cutting off his principal source of nourishment, 1. c., III p. 124/125). Gegen diese wagemutigen Auslegungen und hypothetischen Argumentationen des englischen Gelehrten, nach denen unsre Heilige Schrift mit diesem Verbot des Milch- und Fleischkochens und Essens auf die Stufe niedersten Aberglaubens herabgedrückt würde und eine der primitivsten Wahnvorstellungen der Zauberei

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