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Jeschurun · 1926-09-01 · Heft 9-10 (September 1926) · p. Seite 483

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 9-10 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 483 (sequence 39)
Language
German
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Die Bibel als Quelle usw. 483 sollst ein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.“ (Ex. 23,19; 34,26; Deut. 14,21) Diese Gesetzesvorschrift, eine der meistdiskutierten der Heiligen Schrift, (sogar Goethe hat sich mit diesem jüdischen Gesetze beschäftigt) hat von jeher die Exegeten herausgefordert, (s. am ausführlichsten Ibn Esra zur Stelle und Hoffmanns lichtvolle Ausführungen im Kommentar zu Deut., 1. Teil, p. 204 ff., sowie dessen Abhandlung: Die Ueberlieferung der Väter und die Speisegesetze in Carlebach- Festschrift. Auf diese Ausführungen des näheren einzugehen ist hier nicht der Ort.) Neu und originell ist hierzu Frazers Motivierung. Frazer bringt das Verbot zusammen mit der Sitte vieler afrikanischer Hirtenstämme, die Milch ihrer Kühe überhaupt nicht zu kochen (s. Fr., 1. c. III, p. 118 ff.); ebensowenig verkaufen sie die Milch ihrer Kühe an Fremde, an Weisse, aus Furcht, der Käufer könnte die Milch kochen. Das Motiv für diese Scheu vor dem Kochen der Milch ist darin begründet, dass das Kochen das Euter der Mutterkuh zum Trocknen bringen oder gar die Kuh vor Schmerz töten könnte, d. b. das Feuer würde seine Wirkungen, wenn auch von ferne, auf das Euter der Mutterkuh ausüben. Fr. erinnert auch an Spuren solch seltsamer Furcht bei gewissen europäischen Völkern, in Estland, Bulgarien, wo das Ueberlaufen der Milch beim Kochen aus denselben Befürchtungen streng vermieden wird (1. c., p. 123). Diese Sitte der zentralafrikanischen Primitiven deutet Fr. mit Recht als sogenannte sympathetische Magie, d. h. jede Verletzung oder gewaltsame Aenderung des Naturzustandes der Muttermilch (durch das Kochen) schadet der Mutterkuh, da die Milch in stetem vitalen Konnex mit dem Muttertiere bleibt״ Auch bei den Mohammedanern in Marocco ist es verboten, solange das Kalb jung ist, die Milch der Mutter zu kochen, entweder würde das Kalb sterben, öder die Milch der Mutter aufhören. Natürlich folgt des weiteren aus dem Verbot des Milchkochens auch das Verbot des Zusammenkochens von Milch und Fleisch, ebenso des Zusammenessens, was sich allerdings nur bei wenigen wilden Stämmen, den Masai, Bahima, den

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